Diagnosesicherung:
28.11.2006
Stationäre Aufnahme zur weiteren Diagnostik. Es werden direkt die Blutentnahme
und
das Thorax-CT organisiert und zügig durchgeführt. Auf dem Gang wird mir
mitgeteilt, dass einige
Befunde/Metastasen in
der Lunge gefunden
wurden. Irgendwie schockt mich das alles nicht mehr so. Sehe
es wohl alles
mehr
sarkastisch. Wenn man mal ganz unten ist, dann geht’s nicht mehr tiefer.
Mittags findet die
sonografiegesteuerte Entnahme einer Probe der Raumforderung statt. Die PE an
sich ist die
Hölle! So schmerzhaft, dass mir sogar der Kreislauf weggeht. Habe ich
bisher noch nie erlebt. Aber ich werde
wohl weitere Sachen durchstehen müssen, die
ich so noch nie erlebt habe, gell.
Im Laufe des Tages, nachdem ich mich
einigermaßen von der Punktion erholt habe, soll ich noch zur
urologischen
Untersuchung. Gehe zusammen mit Moni um ca. 17 Uhr runter in urologische
Ambulanz. Kann mir
irgendwie nicht vorstellen, dass ich ein urologisches Problem
habe. Gehe deshalb relativ unbekümmert und
erwartungslos in diese Untersuchung.
Zuerst Anamnese, dann Untersuchung und Sonografie der Hoden. "Na, da
haben wir ja
den Übeltäter." Im rechten Hoden erkennt man in der Sonografie deutlich eine
zentrale
Raumforderung. Fast euphorisch und überschwänglich wird uns der Befund
mitgeteilt. Das potentielle Procedere
wird besprochen. Bin mir der ganzen Tragweite
nicht so ganz bewusst.
Abends kommt noch Johannes zu Besuch. Moni und Johannes bestellen sich Pizza.
29.11.2006
Unterbauch-MRT: nur freie Flüssigkeit und paar Lymphknoten, aber wohl nichts
Konkretes.
Was ein Wunder. Morgen soll Semikastration (Entfernung des Hodens) erfolgen, Verlegung auf Urologische
Station und
Vorbereitung. Dann am späten Nachmittag noch mal
in die urologische Ambulanz zum Gespräch mit
Prof. K.: Da
die mittags bestimmten
Tumormarker doch extrem hoch sind (bHCG 54.000), aufgrund des massiv
großen
Befundes im Abdomen und da das Ergebnis der PE Nicht-Seminom (Chorionkarzinom)
lautet, solle
vorerst doch keine OP durchgeführt werden. Er habe mittlerweile
Kontakt mit einem Prof. H. in Tübingen
aufgenommen, der Spezialist auf dem Gebiet Hodentumore
sei. Er empfehle, umgehend eine Chemotherapie
einzuleiten. Eine OP des Hodens würde die Chemo zu lange
hinauszögern.
Insbesondere mögliche Komplikationen nach der OP, wie eine Wundheilungsstörung etc., würden
die Prognose
verschlechtern.
Zusammenbruch.
Ich soll am kommenden Montag/Dienstag in Tübingen stationär aufgenommen werden.
Heute noch Entlassung.
30.11.2006
Die Schwiegereltern, die auf die Kinder aufgepasst haben, fahren nach Hause. Ich
warte im
Prinzip auf Bescheid/E-Mail, wann wir nach Tübingen fahren können, nachmittags
Mail (cc) von Prof. H., dass
ich am Montag kommen kann. Ein von uns
noch gewünschtes Vorgespräch morgen sei nicht möglich, ich soll am
Mo
kommen, Station
5 Süd (wie sich herausstellt, mein neues Zuhause für die nächsten drei Monate).
31.11.2006
Auf Anraten der Ärzte soll ich meine Gene noch einfrieren lassen. Ich persönlich bin ja
nicht
wirklich
davon überzeugt. Ich habe doch zwei gesunde und tolle Kinder, ich
habe im Moment doch irgendwie
andere
Sorgen. Prinzipiell muss man sagen, dass
wir eigentlich immer drei Kinder haben wollten, und vielleicht
geht
dieser
Albtraum ja noch gut aus. Aber ob ich das Schicksal dann noch einmal
herausfordern will...
Nach Recherche stellt sich heraus, dass man sein heiligstes Gut bei einem
Gynäkologen abgeben muss. Nach
Terminvereinbarung gehe ich am Morgen zur so
genannten Kryokonservierung/Samenspende: Eigentlich läuft es
genauso ab, wie man
es sich eigentlich vorstellt und in schlechten Filmen gezeigt wird. Ein kleines
dunkles
Kämmerlein mit altem Sessel und Matratze (wahrscheinlich vom Sperrmüll
oder schon viele Spender...), sowie
Zeitschriften mit allen möglichen Motiven. Noch kurzes Gespräch mit dem Gynäkologen
(damit er seine 300€
Gebühr abrechnen
kann). Ich soll wenn irgendwie möglich noch mal kommen. Montag ist geplant.
Dann kurz nach
Hause und weiter ins TKH, um die von Tübingen geforderten Untersuchungen zu machen
(Echo,
HNO, Lufu, MRT-Schädel): Was für ein Wunder, im Schädel ist nichts, kaum
zu glauben.
Abends passen
Johannes und Stella auf die Kinder auf, wir gehen ins Kino (neuer James Bond),
ist irgendwie
komisch, ich bekomme vom Film nicht viel mit, man kann
nicht komplett abschalten, aber wenigstens ein
bisschen, somit hat es sich schon
gelohnt.
Sa/So
2.12./3.12.2006 Wahrscheinlich
noch nie so ein intensives Wochenende erlebt. Montag soll´s ja los-
gehen.