3. Zyklus Hochdosis-Chemotherapie
08.02.2007
Leukozyten 5070/µl, Hb 9,8
g/dl, Thrombozyten 175.000 /µl, CRP 1,11 mg/dl, Trop I neg, Ck
131 U/l. Moni und ich fahren um 6.15 Uhr
los und sind schlussendlich um ca. 8:20 h angemeldet auf Station.
Diesmal im Zimmer Nr. zwei, leider nicht alleine. Wie immer wird mir Blut
abgenommen, Lufu und EKG. Das
EKG wirft uns kurzzeitig aus der Bahn. Scheint aber doch alles in Ordnung zu
sein. Der Tumormarker βHCG ist
mittlerweile auf 14.4 U/l abgesunken, von vor Therapie von 54.000 U/l. Gut, man
hat natürlich gehofft, dass man
schon im Normbereich ist, aber der Weg geht ja in die richtige Richtung, nach
dieser letzten Chemo bin ich
bestimmt im Normbereich. Gegen Mittag wird mir unter einer guten Dosis Dormicum
der ZVK gelegt, von Frau
Dr. K. Den Nachmittag verbringe ich leicht Dormicum-vernebelt halb schlafend,
halb wach. Bis es dann endlich
mit der Chemo losgeht, ist es 17.00 Uhr. Ich bilde mir wieder ein, im Verlauf
schon etwas Übelkeit zu verspüren,
hält sich aber in Grenzen. Die Nacht verläuft gut.
09.02.2007
Leukozyten
6000/µl, Thrombozyten 188.000/µl, Hb
8,6 g/dl, CRP 0,63 mg/dl. Übelkeit ist
wieder leicht da, aber hält sich noch in
Grenzen. Bei Visite wird entschieden,
dass ich noch zwei EK´s erhalten soll.
Na ja, was soll´s, wäre dann Nr. 7 und
8. Moni kommt mittags zu Besuch,
gehen in die Crona. Erhalte zwei
Erythrozytenkonzentrate.
10.02.2007
Leukozyten
5620/µl, Thrombozyten 302.000/µl,
Hb 9,6 g/dl, CRP 0,36 mg/dl, Gewicht
99,9 kg, heute gibt’s Aquaphor zur
Entwässerung. Mit der Chemo geht’s
heute relativ früh
los. Übelkeit vormittags kaum vorhanden, als die Chemo kommt, leichte Übelkeit. Moni kommt
um 11.00 Uhr zu
Besuch, um 13.00 Uhr haben sich meine Eltern angekündigt. Mein Bettnachbar wird heute
entlassen, eigentlich soll ich
alleine im Zimmer bleiben. Da aber am Montag viele Zugänge kommen, klappt das
wohl doch nicht. Finde ich
eigentlich im Moment auch nicht so schlimm, immerhin hatte ich schon zwei Zyklen
das Privileg alleine zu liegen.
Moni fährt um 14:30 Uhr, meine Eltern bleiben noch bis ca. 16:30 Uhr, fühle mich
eigentlich ganz fit, keine
Übelkeit. Schlafe erst einmal, um 21:45 h lass ich mir noch Vomex geben, schlafe
somit die Nacht sehr gut durch.
11.02.2007
Leukozyten 3060/µl, Thrombozyten 339.000/µl, Hb 9,8 g/dl, CRP 0,19 mg/dl;
Gewicht wieder
leicht runter auf 98,2kg. Bin morgens etwas gerädert. Die Übelkeit beginnt mich
langsam zu übermannen. Nach
dem Frühstück geht’s vorerst. Kurz geschlafen. Bei Visite nichts Besonderes. Am
liebsten würde ich die Zeit bis
Mittwoch vordrehen, oder vielleicht eine Narkose bis Mittwoch. Na ja, Augen zu
und durch, ist zumindest vorerst
der letzte Zyklus. Chemo beginnt ca. 10:45 Uhr. Ich lasse mir nach dem
Mittagessen eine Vomex verabreichen,
als ich um 16:00 h wieder aufwache, gibt es eine Tavor. Somit verschlafe ich den
gesamten Tag. Eigentlich zum
Glück. Abends kurz vor dem Schlafengehen gibt es noch mal Tavor und Vomex. Somit
ist die Nacht gut.
12.02.2007
Leukozyten 2560/µl, Thrombozyten 333.000/µl, Hb 10,0 g/dl, CRP 0,09 mg/dl. Wie
nicht
anders zu erwarten, hat mich die Übelkeit wieder fest im Griff. Bei Visite nichts
Besonderes. Bekomme mal
wieder einen neuen Bettnachbarn, 66J, wohl ganz nett. Meine Mutter kommt mittags
zu Besuch. Eigentlich geht’s
mir nicht besonders gut, quäle mich nur so durch den Besuch. Als meine Mutter
weg ist, lasse ich mir wieder
entsprechende Medis gegen Übelkeit geben, somit verschlafe ich den gesamten Tag.
Aber es bleibt
festzuhalten: letzter Tag Chemo, wir müssen eine Flasche Sekt, vielleicht
Champagner aufmachen, aber dann
würde ich mir wohl doch die gesamte heutige Nahrungsaufnahme durch den Kopf
gehen lassen müssen.
13.02.2007
Leukozyten 2100/µl, Thrombozyten 352.000/µl, Hb 9,8 g/dl, CRP 0,05 mg/dl.
Weiterhin
massive Übelkeit, halte mich nur mir Medis über Wasser und versuche den ganzen
Tag zu schlafen, natürlich nur
mit Hilfe. Dafür kann ich nachts nicht einschlafen. Da gibt´s dann noch mal den
Cocktail, dann schlafe ich gut.
14.02.2007
Leukozyten 1730/µl, Thrombozyten 336.000/µl, Hb 10,0 g/dl, CRP 0,02 mg/dl.
Morgens ist
die Übelkeit noch unterschwellig vorhanden, aber ich hoffe, dass mit der
Stammzelltransplantation alles
gut wird. Um 12:30 Uhr ist es endlich soweit, mit Dormicum ist es wieder
erträglich. Schlafe danach 1,5 Stunden
und fühle mich nahezu wie neugeboren. Wahrscheinlich alles psychosomatisch, aber
ich habe das Gefühl, dass
es bergauf geht. Jetzt muss es halt nur noch wirken, das Gift.
15.02.2007
Leukozyten 2130/µl, Thrombozyten 277.000/µl, Hb
9,0 g/dl, CRP 0,01 mg/dl. In der Nacht
macht mir
irgendwie der ZVK zu schaffen. Bestehe morgens dann nahezu darauf, dass er
entfernt wird.
Im Laufe des Tages schmerzt die ehemalige Einstichstelle immer
mehr. Meine Schwester kommt
zu Besuch.
16.02.2007
Leukozyten 500/µl, Neutrophile 24%, Thrombozyten 223.000/µl, Hb 9,0 g/dl, CRP
0,04 mg/dl
In der Nacht werden die Schmerzen am Hals immer schlimmer. Nach der Visite
gehe ich dann zur Doppler-
Sonografie. Jugularisvenenthrombose! Irgendwie schockt mich alles nicht mehr so
gewaltig. Na ja, jetzt habe ich
da halt noch 'ne Thrombose, schmerzt halt massiv und ich muss Clexane
höher dosiert spritzen. Mittags
habe ich dann doch so deutliche Schmerzen, dass ich Novalgin bekomme, hieraufhin
schlafe ich erst einmal
zwei Stunden. Ansonsten habe ich nur Schmerzen und verbringe den Tag mehr
schlecht als recht.
17.02.2007
Leukozyten 380/µl, Neutrophile ?%, Thrombozyten 220.000/µl, Hb 8,2 g/dl, CRP
0,42 mg/dl.
Heute kommt Moni zu Besuch, insofern kann es mir nur gut gehen, ich freue mich
ziemlich drauf. Am Vormittag
komme ich ganz gut mit den Schmerzmitteln über die Runden. Nachmittags geht’s
auch gut. Wir gehen spazieren
und bestellen abends die obligatorische Pizza.
18.02.2007
Leukozyten 300/µl, Neutrophile ?%, Thrombozyten 168.000/µl, Hb 7,9 g/dl, CRP
1,08 mg/dl.
Mir geht´s morgens elend. Komme kaum aus dem Bett. Sonst war es immer mein Ziel,
geduscht und frisch zu
frühstücken, heute schaff' ich das nicht. Nach dem Frühstück quäle ich mich in
die Dusche, hiernach bin ich so
was von fertig, dass ich extrem froh bin, wieder im Bett zu liegen. Bei Visite
wird entschieden, dass ich bei
einem Hb von 7,9 zwei Erythrozytenkonzentrate bekommen soll. Bringe Moni
nachmittags noch zum Auto, bin
dann aber wieder froh, im Bett zu liegen. Zu allem Überfluss spielt
erwartungsgemäß meine Mundschleimhaut
wieder verrückt, habe erneut zwei offene Stellen, das Essen schmerzt wieder
deutlich.
19.02.2007
Leukozyten 340/µl, Neutrophile 2,9%, Thrombozyten 95.000/µl, Hb 8,9 g/dl, CRP
2,15 mg/dl.
Im Vergleich zu gestern ist mein Befinden eine 100%-ige Steigerung. Fülle mich
echt gut, keine Temperatur und
topfit. Vormittags besuche ich einen ehemaligen Mitpatienten. Dieser hat vor 10
Tagen eine allogene
Knochenmarkstransplantation erhalten. Er sieht ganz schön mitgenommen aus, ist
aber ein sehr netter Besuch,
bin ca. 1h dort. Nachmittags schaue ich DVD und gehe spazieren. Im Vordergrund
steht heute die
Mundschleimhaut, Essen ist mittlerweile so schmerzhaft, dass ich schon gar
keinen Hunger mehr habe.
20.02.2007
Leukozyten 370/µl,
Neutrophile 2,7%, Thrombozyten
57.000/µl, Hb 9,0 g/dl, CRP 1,83
mg/dl. Mir geht’s gut, alles palletti.
21.02.2007
Leukozyten 440/µl,
Neutrophile 11,4%, Thrombozyten
32.000/µl, Hb 9,0 g/dl, CRP 1,75
mg/dl.
Morgens geht’s mir noch ganz gut,
im Verlauf des Vormittags merke ich
jedoch, dass die bekannten
Knochenschmerzen beginnen. Meine
Schwester kommt nachmittags zu
Besuch. Da Lasse und sie etwas
krank sind, treffen wir uns gleich
draußen zum Spazierengehen, ich
trage die ganze Zeit Mundschutz. Ist trotzdem eine ganz schöne Ablenkung.
Nun
sind die Knochenschmerzen in
voller Ausprägung angekommen, wie ich mich freue. Mit Paracetamol kann
man sie aber einigermaßen in Schach
halten.
22.02.2007
Leukozyten 950/µl, Neutrophile ?%, Thrombozyten 11.000/µl, Hb 8,9
g/dl, CRP 2,58 mg/dl.
Die Nacht war schrecklich, die Schmerzen sind einfach menschenunwürdig. Man kann
es einfach nicht
beschreiben, solche dumpfe wellenförmige Schmerzen in allen großen Knochen, also
Wirbelsäule, Becken und
Oberschenkel. Den Tag quäle ich mich nur so durch, hangele mich von einer
Paracetamol zur nächsten.
Bekomme noch eine Transfusion von Thrombozyten. Im Laufe des Abends habe
ich es dann überstanden, ab
ca. 20.00 Uhr keine Schmerzen mehr. Wie schön, man fühlt sich wie neugeboren.
23.02.2007
Leukozyten 3190/µl, Neutrophile 54,9%, Thrombozyten 24.000/µl, Hb 9,0 g/dl, CRP
3,07
mg/dl. Oh Wunder, ich habe keine Knochenschmerzen mehr, das einzige, was noch
nicht in Ordnung ist, ist die
Schleimhaut in meinem Mund, aber damit kann man leben. Bei Visite wird mir
mitgeteilt, dass man bei den
Thrombozyten eine Tendenz nach oben erkennen muss, bevor ich nach Hause kann,
der heutige Laborwert ist ja
zum Teil aus dem Beutel (von der Transfusion von gestern). Ansonsten schaue ich
DVD und bastele an meiner
Homepage; da ich kaum Beschwerden habe, ist es eigentlich wie Urlaub. Ich
versuche, mich nicht so wie letztes
Mal darauf zu versteifen, dass ich morgen nach Hause kann. Mal sehen, ob es
klappt. Beim zu Bett gehen stelle
ich leider kleine Petechien (Einblutungen) im Bereich des rechten Unterschenkels
fest, so ein Scheiß, somit
rückt meine Entlassung für morgen in weite Ferne.
24.02.2007 Morgens bei der Blutentnahme bin ich sehr skeptisch,
ich glaube ja nicht, dass die
Thrombozyten gestiegen sind. Nach dem Frühstück lasse ich mir gleich das
Blutbild geben, noch auf dem
Gang verspüre ich grenzenlose Freude: die Thrombozyten sind auf 37.000/µl
gestiegen. Somit darf ich heim!
Die Visite sieht das genauso. Ich besuche noch meinen ehemaligen Mitpatienten
und verabschiede mich bei
ihm. Um 14:00 Uhr holen mich Johannes und Stella ab. Unterwegs natürlich der
obligatorische McD Besuch.
Dann: Welcome home.