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Erster Zyklus Chemotherapie

 

04.12.2006               Geben um 7:30Uhr noch eine Spermaladung in der Gynäkologen-Praxis ab, dann fahren wir
direkt weiter. Stau. 10:30 Uhr Ankunft Tübingen.

Stationäre Aufnahme Station 5 Süd, Medizinische Klinik der Uni Tübingen. Jetzt beginnt ein neues Leben, hier
ticken die Uhren anders, wir passen irgendwie noch nicht rein. Ich bin sehr skeptisch, da ja immer noch kein
richtiges Gespräch über die geplante Chemo etc. stattgefunden hat. Zuerst die Standardsachen: Papiere und
Briefe abgeben, Sammelurin, Blutentnahme, Station wird gezeigt etc.

Mittags kommt der Stationsarzt zu Anamnese und Gespräch. Immer noch kein Prof. H in Sicht. Die wollen
noch heute mit der Chemo anfangen. Ich sträube mich jedoch und will erst mit Prof. H. sprechen. Um
18.30 Uhr kommt dann endlich der heilige Vater. Es findet ein langes Gespräch statt (>60min): der grobe
Behandlungsplan für die nächsten drei Monate wird festgelegt. Risiken, 5-Jahres-Überlebenschancen etc.
werden besprochen. Es soll zuerst eine normale Chemo nach PEI Schema durchgeführt werden, dann
Stammzellspende und hiernach 3 Zyklen Hochdosisschemo nach PEI Schema. Die Stammzellen braucht man,
da als Nebenwirkung der Hochdosischemo das Knochenmark zerstört wird.

Es klingt alles super!

Prof. H. überzeugt.

Also soll es morgen mit der Induktionschemo losgehen. Mein Bettnachbar ist, wie sich im Verlauf herausstellt,
sehr nett und sicherlich das Beste, was mir für den ersten stat. Aufenthalt hätte passieren können. Ich war am
Anfang sehr enttäuscht, dass ich nicht alleine liegen konnte. Bekomme noch eine Infusionsnadel und einen für
den ersten Tag beeindruckenden Infusionsständer mit 2 Infusomaten und einem Perfusor. Ich soll die Nacht
schon einmal „gespült“ werden. Moni geht und übernachtet ab jetzt immer bei Katha in der Wohnung. Das ist echt
Gold wert und unbeschreiblich nett. (Ich schaff' es nicht in Worte zu fassen).

05.12.2006               Heute soll es losgehen. Habe irgendwie Angst. Aber wenn ich meinen Bettnachbarn sehe
und höre, was der so berichtet, dann ist alles easy going. Na ja, morgens noch Visite, noch einige Vorinfusionen,
u.a. gg. Übelkeit und dann kommt mittags das Gift. Als der Arzt mit dem Beutel den Flur entlang kommt, werde
ich verdammt nervös, Schweißausbruch, am liebsten würde ich wegrennen und sagen: Das war´s jetzt. Aber ich
 bleibe sitzen.
Die Chemo wird angeschlossen, der Beutel läuft innerhalb einer Stunde rein und nichts passiert. Ich habe immer
noch Haare auf dem Kopf, mir wird nicht schlecht und eigentlich ist alles gut. Nachdem alle sagen, die Chemo
geht auf die Nieren und ich müsse gut „gespült“ werden, trinke ich Massen an Wasser. So viel, dass ich Wasser
ab dem dritten Tag nicht mehr sehen kann. Dann kommt der zweite Beutel und dann der dritte. Nichts passiert.
So kann´s weiter gehen…

Verbringe den Tag mit Moni in der Sitzgruppe auf Station, eigentlich ganz gute Stimmung. Moni geht um ca.
19:30 Uhr.

06.12.2006               Chemo Tag 2, vertrage immer noch alles ganz gut, Sandra kommt mittags zu Besuch, Moni
kommt um ca 13.30 Uhr dazu. Sandra und Moni gehen dann gemeinsam ins Casino zum Mittagessen.
Nachmittags wieder in Sitzgruppe verbracht.

07.12.2006               Chemo Tag 3; fühle mich schon ein wenig schlapp und die Übelkeit meldet sich so langsam.
Moni fährt heute wieder zurück nach Heidelberg (14:30 Uhr).

08.12.2006               Chemo Tag 4: heute hat mich dann doch die Übelkeit erwischt. Erbrechen muss ich zum
Glück nicht. Aber man hat ein Scheiß-Gefühl. Jedes Mal, wenn das leckere Essen ins Zimmer gebracht wird,
wird die Übelkeit noch schlimmer. Ich bekomme es aber mit MCP-Tropfen ganz gut in den Griff.

09.12.2006               Chemo Tag 5: Das war's schon. Ging dann doch irgendwie schnell vorüber. Jetzt heißt es
abwarten.

10.12.2006               alles paletti

11.12.2006              

12.12.2006               Heute ist schon die Entlassung, fühle aber ziemlich schlapp und angeschlagen, verbringe
den Vormittag im Bett. Mein Vater kommt mich abholen. Natürlich dauert alles ein wenig länger, bis wir
loskommen ist es 14:00 Uhr, der Weg von Station bis ins Auto macht mich völlig fertig, bin echt froh als ich
endlich im Auto sitze. Ich nötige meinen Vater, in Rauenberg zu McD zu gehen. Es schmeckt einfach gigantisch:
es geht halt nichts über einen ehrlichen Burger…
Zu Hause angekommen ist es schon ein gigantisches Gefühl, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein, es
kommt einem vor, als wenn man ewig weg gewesen wäre, irgendwie fühlt man sich anfangs als Gast. Selbst die
Kinder (insbesondere Linus) brauchen länger, aber irgendwann kommt Linus angerannt und drückt mich. Toller
Moment. Ich bin in der Nacht so aufgedreht, dass ich die halbe Nacht in der Küche sitze, zuerst Massen an Brot
esse und beginne, im Jamie Oliver Kochbuch zu lesen und Moni einen Einkaufszettel zu schreiben, damit ich
jeden Tag Jamie Oliver kochen kann. Um ca. 5:30 Uhr gehe ich wieder ins Bett. Habe halt jede Nacht im
Krankenhaus Schlaftabletten genommen und scheine mich schon ein wenig dran gewöhnt zu haben…

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