Residualtumorresektion (29.03.2007 - 18.05.2007)
28.03.2007
Heute soll es losgehen. Monis Grippe ist heute wohl auf dem Höhepunkt, dies
trägt der
allgemeinen Stimmung nicht zum Positiven bei. Ich habe nur die ganze Zeit Angst,
dass ich mich anstecke und
alles verschoben werden muss. Vormittags verbringen wir noch mit Vorbereitungen,
um ca. 11:00 Uhr kommen
Blanks, es findet die "Übergabe" statt, und um ca. 12:15 Uhr brechen wir dann
auf. Im Laufe der Fahrt stabilisiert
sich die Stimmung bei uns langsam. Aber richtig gute Laune kommt nicht auf.
Stehen dann sogar noch im Stau.
Unterwegs natürlich der obligatorische McD Besuch. Um ca. 20:00 Uhr treffen wir
im Prenzlauer Berg in der
Wohnung ein. Sehr nette Gegend und auch eine sehr schöne Wohnung. Nachdem wir es
endlich geschafft
haben,
die Heizung zu aktivieren, gehen wir ins Bett.
29.03.2007
Wir haben den Verkehr in Berlin etwas unterschätzt und brauchen 45 min mit dem
Auto ins
Krankenhaus. Das Krankenhaus liegt in Kreuzberg, wohl nicht die beste Gegend,
das Haus an sich ist ein richtig
schöner Betonklotz, man könnte meinen, Kreuzberg war Ost-Berlin.
Übliche Anmeldung in der Verwaltung, dann auf Station
61 im sechsten Stock. Der
Zustand der Station passt
zum restlichen Gebäude. Ohne dass ich mich vorstellen
muss, werde ich schon
erwartet und begrüßt. Ich
scheine
hier schon bekannt zu sein. Bekomme mein Zimmer,
leider keine Dusche im
Zimmer. Die brauche ich
nach der
OP wahrscheinlich erst am Entlassungstag wieder. Na ja.
Ansonsten
toller Ausblick auf Berlin, ich sehe
sogar den
Reichstag. Die Stationsschwester zeigt uns die Station,
danach kommt
gleich Oberarzt Dr. F. vorbei,
begrüßt uns
und bespricht das weitere Vorgehen und welche
Untersuchungen geplant
sind. Wenn nichts
dazwischen
kommt, darf ich übers Wochenende das Krankenhaus verlassen und Berlin
erkundschaften.
Kurze Zeit später sitzen wir schon wieder im Taxi und fahren ins Klinikum
Prenzlauer Berg (kommen wir da nicht
gerade her?), dort soll eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt werden. Da es
ein großer Klinikverbund ist,
gibt´s die Lufu nur dort. Ergebnis ist sehr gut.
Mittags Aufnahmeuntersuchung und Anamnese der Stationsärztin. OP-Aufklärung,
Labor, EKG, Ultraschall.
Nachmittags kommt der Chefarzt der Anästhesie, Prof. H., zur Aufklärung und
Prämedikation. Für unser Gefühl
ist die Aufklärung zu ausführlich. Hinterher fühlen wir uns nicht besonders. Es
werden ausführlich mögliche
Risiken besprochen, irgendwie wird einem das Ausmaß der Operation noch einmal
vor Augen geführt. Ich
werde vor die Wahl einer thorakalen PDA zur Schmerztherapie peri- und
postoperativ gestellt. Ich soll es mir
überlegen, er kommt morgen noch mal wieder. Nach langem Überlegen entscheide ich
mich dagegen. Habe
keine Lust noch eine zusätzliche Baustelle mit möglichen Komplikationen zu
eröffnen. Dann kommt noch Herr
Dr. F. vorbei, bespricht die Operation und erklärt uns den Ausblick aus meinem
Zimmer. Insgesamt ist er uns
sehr sympathisch und ich denke, dass ich bei ihm in sehr guten Händen bin. Ich
hoffe in den besten! Angeblich
hat sich für die OP auch Prof. K. angemeldet, das finde ich ja schon krass, mir
hatte er gar nichts davon gesagt.
30.03.2007
Die Nacht habe ich mit "Unterstützung" sehr gut geschlafen. Morgens gleich um
7:15 Uhr
Visite, um 7:30 Uhr besucht mich zusätzlich noch Dr. F. Ansonsten verbringe ich
den Vormittag relativ nervös, da
ja noch die Angiographie stattfinden soll. Um 11:30 Uhr geht´s dann endlich los.
Mein Wunsch nach Dormicum
wird leider abgelehnt, da ich bei der Untersuchung „mitarbeiten“ muss, bekomme
aber Valium, welches seine
Aufgabe prächtig erfüllt. Insgesamt ist es nicht so schlimm, wie ich dachte. An
der rechten Leiste wird zuerst
desinfiziert und dann lokal betäubt. Dann wird mit einem Katheter Kontrastmittel
injiziert und Röntgenbilder zur
Darstellung der Gefäße gemacht. Es sollen zur OP-Planung insbesondere die
Nierenarterien dargestellt werden.
Und siehe da, es lohnt sich: auf der linken Seite habe ich zwei Nierenarterien.
Somit erlebt man bei der
Operation keine Überraschungen. Am Ende erhalte ich einen Druckverband und habe
bis morgen früh Bettruhe.
Um 13:00 Uhr bin ich wieder in meinem Zimmer. Nachmittags kommt Moni zu Besuch.
31.03.2007
Das lange Liegen hat mir zu schaffen gemacht,
ich bin ziemlich froh als um 8:00 Uhr der
Druckverband entfernt wird. Da am Wochenende keine Untersuchung etc. geplant
sind, verlasse ich wie
vereinbart um 9:30 Uhr die Station. Fahre zu Moni in die Wohnung. Dann beginnen
wir um ca. 11:00 Uhr mit
unserer Sightseeing-Tour. Fahren mit der U-Bahn zum Potsdamer Platz, dann zu Fuß
ins Regierungsviertel,
Holocaust-Mahnmal, Brandenburger Tor, Reichstag, Kanzleramt etc. Insgesamt ist
es bei tollem Wetter ein
super Tag. Wir können beide sehr gut abschalten und denken kaum an das
Bevorstehende. Wir gehen am
frühen Abend noch Essen und sind dann um 20 Uhr wieder in der Wohnung, ziemlich
erschöpft, aber auch sehr
glücklich.
01.04.2007
Schlafen aus, ich habe fast 12
Stunden am Stück geschlafen. Heute geht leider
schon die
Tortur los, ich darf nur noch Flüssiges zu
mir nehmen. Ich frühstücke dann eine
Tasse Tee und
wir fahren zum Ku´damm. Man glaubt gar nicht, wie
fixiert wir alle auf Essen sind. Man merkt es
erst,
wenn man nicht darf. An
jeder Ecke gibt es etwas
Essbares: McD, Bäckereien, Restaurants,
Currywurstbuden, Döner etc. Mittags gehen
wir dann etwas „Essen“, Moni isst einen Salat und
ich eine tolle Suppe, bei der
ich ja noch nicht mal
das
dazu gereichte Baguette mitessen darf.
Nachmittags machen wir eine Spree-Bootsfahrt in
der Sonne, ist zwar
ziemlich touristisch, aber doch
toll. Abends esse ich dann drei Tütensuppen,
danach ist mir halt auch schlecht.
Eigentlich soll ich
erst am Montag um 7 Uhr auf Station sein. Obwohl
wir beide
geplant hatten, dass ich
Sonntagabend
schon zurück ins Krankenhaus gehe, sind wir, als es
dann soweit
ist, ziemlich hin und her
gerissen. Aber
die Vernunft siegt und ich bin um 21 Uhr wieder in
meinem Zimmer.
02.04.2007
Habe die Nacht sehr gut
geschlafen. Heute morgen schon um 7:20 Uhr
Visite.
Nichts
Besonderes. Um 8:30 Uhr kommt Herr
Dr. F. noch einmal vorbei. Er hat gerade mit
Prof. K.
telefoniert, dieser
hat sich erkundigt, wann es morgen losgeht, er will wohl kommen und mitoperieren.
Irgendwie
freut mich das,
wobei es eigentlich keinen Unterschied macht, aber man hat doch ein gutes
Gefühl. Um 10 Uhr
fange ich an,
dieses komische Zeug zur Darmvorbereitung zu trinken. Schmeckt echt eklig, muss
nach dem
ersten Glas fast
brechen. Und davon soll ich jetzt mindestens drei Liter trinken. Ob das die
besten
Voraussetzungen für die OP
sind?
03.04.2007
Heute geht’s los, stehe um 6:00 Uhr auf. Bin irgendwie richtig gut drauf, gehe
duschen und
freue mich, dass es jetzt endlich losgeht. Um 7:15 Uhr werde ich in
den OP geschoben. Bekomme eine
Infusionsnadel und schon bin ich weg. An die Zeit
nach der OP kann ich mich kaum erinnern. Ich erinnere mich
nur an Bruchstücke,
als ich auf der Intensivstation liege und Moni zu Besuch ist.
Aufgrund der Ereignisse hat meine Frau den Bericht für eine gewisse Zeit weitergeführt und vervollständigt:
Um 13:55 Uhr klingelt mein Handy. Es ist Dr.
F.: Die OP ist „plangemäß“ verlaufen. Die Metastase konnte
komplett entfernt werden, der Darm wurde verstärkt, sieht aber gut aus und auch
die PE aus der Leber konnte
gemacht werden. Du seiest jetzt schon auf dem Weg zur
Intensivstation. Er rät mir, dich erst so gegen vier dort
zu besuchen.
O.K., ein Riesenstein fällt mir vom Herzen. Jetzt natürlich sofort allen
Bescheid sagen. Telefoniere mit Sandra,
Papa und Stella. Alle sind erleichtert.
Fahre in die Klinik. Bin um ca. 15:30
Uhr da. Du bist
ansprechbar und siehst auch
gar nicht so schlimm aus.
Klar, Intensivstation. Du kannst kaum die Augen offen
halten und auch nichts richtig fokussieren, das kommt
wohl vom vielen Morphium
(als Schmerzmittel). Du
bist ganz gut drauf, machst Witze. Verlangst auch,
dass
ich ein Foto von dir mache. Ist mir ganz schön
unangenehm. Später wird das
Schmerzmittel etwas
runtergedreht, da bist du deutlich wacher und kannst
besser sehen. Zwischendurch schläfst du immer
wieder ein. Ich darf bis ca. 20:15 Uhr
bleiben, ich
glaube, dann reicht es auch. Ich bin noch dabei, als du
gewaschen
wirst, finde ich ganz interessant.
04.04.2007
CRP 57,9; Quick-Wert 53
Morgens rufe ich gleich auf der Station an und frage, wie es dir geht und wann
ich dich besuchen kann. Es ist
wohl alles o.k., aber ich darf dich erst um 13:00
Uhr besuchen.
Als ich ankomme, geht es dir schlecht. Du hast Schmerzen und sollst gleich ins
CT; eine Drainage fördert eine
komische Substanz. Ich gehe mit zum CT. Während
der Untersuchung darf ich nicht im Zimmer bleiben, ich soll
draußen warten. Das
dauert alles ewig. Ich bin hochgradig nervös, laufe auf und ab, sende Stoßgebete
zum
Himmel, erwarte schon gleich, dass sie mich rein rufen und sagen „Not-OP“.
Dann habe ich Angst, dass sie
mich vergessen haben, versuche, was zu hören, was
drinnen abgeht. Dann endlich sagen sie mir Bescheid. Es
ist wohl alles nicht so
schlimm. Das CT hat kein Leck im Darm gezeigt, sondern eine
Flüssigkeitsansammlung
direkt unter der Befundentnahmestelle in der Leber. Man
geht jetzt davon aus, so erklärt mir Dr. F., dass aus der
Leber die gallige
Flüssigkeit austritt, dass die zugenähte Stelle aufgegangen ist. Das sei wohl
aber nicht so
schlimm, das würde sich normalerweise von selbst verschließen
(verkleben). Um das zu unterstützen, soll
während eines endoskopischen Eingriffs
(ERCP) ein Stent in den Gallengang eingesetzt werden, damit das
Sekret aus der
Galle/Leber leichter abfließen kann und somit der Druck von der Leber genommen
wird. Von
allen möglichen Komplikationen sei dies noch die beste. Die ERCP wird
vom OA der Gastroenterologie
vorgenommen, ab 17:00 Uhr geht es los. Ich gehe mit
und bleibe im Wartebereich. Erst heißt es, das ganze
dauert eine halbe Stunde,
fertig sind sie aber erst um 18:30h. Dr. F. kommt auch im Verlauf hinzu. Es
gelingt
nicht, dir den Stent zu setzen, dafür müsstest du auf dem Bauch liegen,
was wegen der OP-Wunde nicht geht. Es
wird aber eine Papillotomie vorgenommen,
der Gallengang wird erweitert. Dabei ist auch viel Gallenflüssigkeit
abgelaufen,
wohl ein gutes Zeichen, dass es vielleicht hilft. Es soll jetzt bis morgen
abgewartet werden. Wenn
keine Besserung eintritt, will man morgen noch einmal
versuchen, den Stent in Narkose zu setzen. Als letzte
Möglichkeit bliebe dann
noch, den Bauch wieder aufzumachen und die Leber wieder neu zuzunähen.
Nach der ERCP hast du schlimme Schmerzen, du warst schließlich über eine Stunde
von deinem Schmerztropf
weg. Von der Sedierung während der ERCP bist du aber
noch ganz schön benommen, wie besoffen. Du lallst
und rufst „Ich habe
Schmerzen“. Auf dem Weg nach oben außerdem, „Zustände in Deutschland“, und auf
die
Bemerkung des Gastroenterologen, dass wir sofort wieder auf der Intensiv
sind und du dann Schmerzmittel
bekommst: „Alles Geschwätz“. Ich muss lachen.
Auf der Intensiv geht es dir aber auch gleich etwas besser. Um 20:30 gehe ich
nach Hause und telefoniere mal
wieder mit allen.
05.04.2007
CRP 261,5; PCT (Procalcitonin) 9,51, Quick 47
Um 7 Uhr ruft mich Dr. F. an (du hattest ihn darum gebeten, mir Bescheid zu
geben). Du gingest jetzt noch einmal
ins CT, weil sich die Situation über Nacht
nicht gebessert, sondern verschlimmert habe. Du habest Probleme mit
der Atmung,
so dass Prof. H. überlege, dich bei der Atmung zu unterstützen. Ich könne gerne
vorbeikommen,
wenn ich wolle (ich will). Im Nachhinein erfahre ich, dass es dir
die ganze Nacht sehr schlecht ging und du am
Morgen Anzeichen einer Sepsis
entwickelt hast. Außerdem wurde in der Drainage Dünndarmsekret festgestellt.
Ich mache mich fertig und fahre ins Krankenhaus. In Berlin dauert das natürlich
einige Zeit. Ich beeile mich aber
auch nicht besonders. Solche Untersuchungen
dauern ja bekanntlich immer sehr lange… Ich komme um ca.
8:40h in der Klinik an.
Herr Dr. F. hatte in der Zwischenzeit versucht, mich auf dem Handy zu erreichen.
Ich
klingele an der Intensivstation. Ein Arzt kommt heraus und spricht mit mir.
Ob ich wüsste, dass mein Mann schon
intubiert sei? Nein, das weiß ich noch
nicht. Du seiest gerade vom CT zurück und würdest für den OP
vorbereitet. Im CT
habe sich gezeigt, dass du doch ein Leck im Duodenum (Zwölffingerdarm) hättest,
das jetzt
verschlossen werden müsste. Man wartet jetzt darauf, dass ein OP-Saal
frei wird, dann wirst du operiert.
Ich gehe hoch zur Station 61 und will versuchen, irgendwie mit Dr. F. zu
sprechen. Die Schwestern von Station
kennen mich ja, und können ihn bestimmt
überall erreichen. Er kommt auch bald hoch. In der Zwischenzeit
verfrachtet mich
die sehr nette Stationsleitung in ein kleines Behandlungszimmer, weil mir die
Tränen kommen.
Dr. F. erklärt mir, was im CT gesehen wurde: 2 kleine Löcher im
Duodenum, aus denen Sekret in den
Bauchraum austritt. Dies muss so schnell wie
möglich behoben werden. Auf Nachfrage sagt er, das Risiko sei
jetzt deutlich
höher als bei der 1.OP, da es ein zweiter Eingriff ist und der Körper ja durch
den ersten schon
geschwächt ist. Ich frage ihn, ob das jetzt lebensbedrohlich
für dich ist. Er antwortet, jetzt während der OP nicht
so sehr, aber in der Zeit
danach müsste man dann sehen, wie gut dein Körper damit fertig wird. Es könnte
Probleme mit dem Kreislauf und der Lunge geben.
Deine
Schwester Sandra
kommt direkt vom Flughafen in
die Klinik. Sie wollte eigentlich einen normalen
Krankenbesuch machen... Wir setzen uns in die
Cafeteria
des Krankenhauses, und ich erzähle erst mal alles. Es dauert
irgendwie
ewig, wir gehen draußen spazieren, vielleicht
vergeht die Zeit dann schneller.
Um 13 Uhr rufe ich mal auf
der Intensivstation an. Da ist die OP gerade vorbei
und ich
habe die Gelegenheit, mit Prof. H. zu sprechen. Die OP sei
wohl an sich
gut gelaufen und du seiest auch im Moment
stabil. Allerdings habest du jetzt
einen langen Weg vor dir. Du
bliebest jetzt erst mal beatmet und sediert, da
müsse man
abwarten, wie du dich weiter entwickelst.
Die Situation sei
sehr ernst
und es könnten in Folge der Sepsis, die du entwickelt hast, Probleme mit allen
Organen (Lunge,
Leber, Nieren etc.) auftreten. Die nächsten 24 Stunden seien
zunächst entscheidend.
Dr. F. ruft
auch noch an und sagt, er würde im Laufe des Nachmittags noch
ausführlich mit mir sprechen. Die OP
hatte ca.
3 Stunden gedauert.
Um 14:30 Uhr kann ich zu dir, Sandra bleibt erst mal draußen. Du bist ruhig und
stabil. Du bist jetzt in einem
anderen, zentraleren Zimmer (2-Bett). Die
Beatmungsmaschine macht mir aber nicht sonderlich Angst. Du
siehst eigentlich
nicht so sehr anders aus als gestern. Natürlich sind viel mehr Apparate und
Geräte, Infusionen
und Perfusoren um dich rum angeordnet.
Um ca. 16:00 Uhr kommt Dr. F., Sandra
kommt jetzt auch mit rein. Er erklärt uns,
was genau gemacht worden ist. Auf die
Stelle, an der das Duodenum perforiert
war, wurde zusätzlich zur Sicherheit von
Herrn Dr. R., dem neuen chirurgischen
Chef, eine Dünndarmschlinge aufgenäht,
damit bei einer erneuten Undichtigkeit
das
Sekret direkt in den Darm abgeleitet wird.
Du hast jetzt eine
Bauchfellentzündung und
eine Sepsis. Es wäre für deinen Körper
jetzt zu viel
Stress, bei Bewusstsein zu
sein. Außerdem könntest du selbst deinen
Körper mit
deiner eigenen Atemleistung
nicht mit 100%iger Sättigung versorgen.
Wir bleiben bis 18 Uhr bei dir, dann gehen wir nach Hause. Dort natürlich erst
mal telefoniert.
06.04.2007, Karfreitag
CRP 338,6; Quick 49;
Fieber ca. 38,4-38,8°C
Um 7 Uhr rufe ich mit klopfendem Herzen
und Übelkeit auf der Intensivstation an. Du seiest etwas stabiler als
gestern,
ich dürfe so um 10 Uhr vorbeikommen.
Du bist eigentlich unverändert. Ich spreche mit Dr. B., der zur Visite kommt und
mit dem Anästhesisten. Dr. F.
war wohl heute morgen auch schon da. Du seiest
einigermaßen stabil, nachdem du wohl heute morgen drei
Episoden mit
Kreislaufabfall hattest, konnte jetzt wohl aber das kreislaufunterstützende
Medikament etwas
gesenkt werden. Es könne schon eine ganze Weile dauern, bis
eine Veränderung eintrete. Wie lange, kann mir
allerdings keiner sagen. Es ist
zum Wahnsinnigwerden!
Ich bleibe bis elf und treffe mich dann mit Sandra am Potsdamer Platz. Es ist
kalt und regnet sogar ein bisschen.
Um ca. 15:30 Uhr sind wir wieder bei dir. Dein Zustand ist unverändert. Wir
sprechen mit Dr. S., der uns noch
einmal sagt, dass man wirklich keine
Prognose abgeben kann, wie lange das wohl dauern kann. Dein Vorteil ist
auf
jeden Fall deine Jugend und deine gute Konstitution.
Um ca. 18:30 Uhr fahren Sandra und ich mit dem Auto zum Prenzlauer Berg. Ich
will das Auto gerne in der Nähe
haben, falls ich mal nachts oder möglichst
schnell in die Klinik muss.
07.04.2007, Karsamstag
CRP 347,2; PCT 5,93; Quick 80; Fieber bis 39,1°C
Als ich um 7:30 Uhr in der Klinik anrufe, ist alles unverändert/stabil. Das ist
ja schon eine gute Nachricht. Ich
besuche dich wieder von 10 bis 12 Uhr. Ich
spreche mit der Intensivärztin, mit Dr. B. und Dr. F. Die Drainage auf
der
linken Seite fördert viel weniger Flüssigkeit, das ist eine gute Neuigkeit. Wenn
du etwas wacher bist,
versuchst du instinktiv, den Tubus loszuwerden, das ist
natürlich sehr gefährlich für dich. Deswegen wurde deine
Sedierung wieder etwas
intensiviert bzw. deine Hände lose am Bett fixiert.
Um 12 Uhr fahre ich zurück zum Prenzlauer Berg. Sandra und ich erkunden ein wenig die Gegend.
08.04.2007
09.04.2007
10.04.2007
Ein weiterer Tiefpunkt in meinem/unserem Leben.
Morgens wird entschieden, dass dein
Bauch noch einmal geöffnet wird. Die
Chirurgen wollen sicher gehen, dass nicht doch noch ein Leck vorhanden
ist.
Riesenangst, es geht alles den Bach runter. Dr. F. sagt kurz nach 12 Uhr
Bescheid (nach 1 bis 1,5h Eingriff),
dass nichts gemacht wurde, es wurde nur
gespült. Wir fahren in die Klinik, dürfen aber nicht direkt zu dir, später
dürfen wir auch nur eine halbe Stunde bleiben (zu viel an dir und deiner
Bettnachbarin zu tun). Du siehst schlecht
aus, sehr blass (Hb ist auch ganz
niedrig). Wir sind mit den Nerven ziemlich am Ende, heulen erst einmal im
Vorraum der Intensiv.
11.04.2007
In der Nacht über eine Stunde wach, dafür
konnte ich morgens bis um 8.00 Uhr schlafen. Um
8:20 Uhr rufe ich in der Klinik
an, werde zuerst ins Arztzimmer verbunden, dann wird OA Dr. E. gesucht. Ich
kriege Panik, es wird sich doch nicht verschlechtert haben? Der OA kann nicht
gefunden werde, der Arzt gibt so
viel wieder wie er mitbekommen hat: alles
unverändert. Na ja, zumindest keine Verschlechterung. Ich darf am
Vormittag zu
dir. Bin um kurz nach 10 Uhr da. Du siehst ein bisschen besser aus. Die
zwei EK´s von gestern
haben wahrscheinlich etwas bewirkt. Das Fieber ist für den
Vormittag ziemlich hoch: 38,7°C. Du sollst aber kalt
gewaschen werden, wenn ich
weg bin. Ich spreche kurz mit Dr. E., wie immer sehr nett, er wartet noch
auf den
PCT-Wert, der im Moment wohl am wichtigsten für dich ist. Ein anderer
Arzt meint noch mal, wie wichtig es für
die Angehörigen ist, einen Gegenpol zu
haben und auch mal Abstand zu gewinnen. Leichter gesagt als getan,
Sandra und
ich versuchen ja unser Bestes, heute wollen wir auf den Ku´damm. So richtig
abschalten geht
natürlich nicht, ständig die Angst, das Handy klingelt und es
kommt wieder eine Horrormeldung.
Um 11 Uhr verabschiede ich mich. Deine Haare wachsen wie wild, Augenbrauen und
Wimpern sind auch schon
wieder da. Irgendwie komisch.
Nachmittags organisiere ich einen Termin mit Dr. F.: Im Prinzip nichts neues,
weiter abwarten, du gefällst ihm
aber nicht so schlecht. Später großes
Chefarzt-Schaulaufen an deinem Bett. Sind alle recht zufrieden mit dir.
Einen
schmalen Streif am Horizont sieht Prof. H.. Na, das ist ja schon mal was…
12.04.2007 Ich rufe wie immer morgens auf der Intensiv an.
Dr. E. spricht von einer kleinen Besserung,
aber kein großer Schritt nach
vorne (aber auch keiner zurück…). Sie lassen mich heute morgen nicht zu dir, es
gäbe so viel zu tun. Ich bin traurig, aber heute macht es mir nicht so viel aus.
Sandra und ich fahren zum
KaDeWe, wir gehen shoppen und ich gebe Geld aus… Hab
ein schlechtes Gewissen.
Johannes will morgen kommen, es lässt ihm auch in Heidelberg keine Ruhe. Wie immer
typisches Striegel
Organisations-Chaos…
Nachmittags sind wir wieder bei dir. Du hast eine auffällige Rötung an deiner
rechten Flanke. Das muss weiter
beobachtet werden, wie immer. Prof. H.
schaut besorgt. Sonst sieht alles ganz gut aus, die Entzündungswerte
sind
rückläufig. Ich würde so gerne wissen, ob Du etwas von dem bemerkst, was um dich
herum vorgeht. Ich
hoffe sehr, dass irgendetwas von dem, was ich zu dir sage,
bei dir ankommt, bzw. dass du spürst, dass ich bei
dir bin. Heute ist Sandras
letzter Tag, zum Abschluss gehen wir Pizzaessen am Planufer. Es ist superschönes
Wetter, wir haben den besten Platz und genießen die Atmosphäre. Kaum zu glauben,
dass du gerade um die
Ecke auf der Intensivstation liegst…
13.04.2007
Sandra fährt heute zurück nach Hause, man
merkt, dass es ihr schwer fällt, aber sie freut
sich natürlich auch auf Lasse.
Ich vermisse die Kinder auch ganz schön. Leider kann man ja immer nur kurz mit
ihnen telefonieren, dann wollen sie ja nicht mehr.
Ich darf heute morgen zu dir. Eigentlich alles unverändert. Dr. E. ist ein
bisschen positiv, Prof. S. eher vorsichtig.
Die Rötung ist nicht
schlimmer geworden, aber noch da. Die Schwester hat klassische Musik aufgelegt,
es ist
schön friedlich. Als ich komme, machst Du die Augen auf, ich habe das
Gefühl, dass du merkst, dass ich da bin.
In der „Mittagspause“ erkunde ich die Friedrichstraße, den Gendarmenmarkt und
Unter den Linden. Es ist
superschönes Wetter und ich genieße es.
Um kurz nach 15 Uhr bin ich wieder bei dir. Du bist überraschend wach, du machst
die Augen oft auf und ich
habe den Eindruck, dass du mich anschauen willst,
einmal meine ich sogar, du willst mich anlächeln. Ich erzähl
dir alles mögliche
und habe den Eindruck, dass du mich hörst. Das ist ein ganz ungewohntes Gefühl,
ich bin total
aufgeregt. Jetzt fängst Du aber an, dich aufzubäumen, mit den
Armen zu rudern und auf den Tubus zu beißen.
Das ist natürlich nicht gut für
dich und du bekommst wieder mehr Schlafmittel. Um halb fünf kommt Johannes, er
hat Dr. E. verpasst. Aber er schaut sich dich, die Laborwerte und alles
andere an und ist sehr zufrieden. Er sagt,
er habe jetzt ein gutes Gefühl und
ist froh, dass er hergekommen ist. Das bewegt mich natürlich auch.
14.04.2006
Heute ist großer Besuchstag bei dir. Morgens
bin ich eine Stunde da. Es gibt nicht viel
Neues. Die Rötung an deiner Flanke
ist immer noch da, man will mal einen Ultraschall machen. Mittags treffe ich
mich mit Johannes und Stella am Reichstag. Wir laufen ein bisschen rum und
machen die Bootsfahrt, die wir am
Wochenende vor der OP zusammen gemacht haben.
Sie ist auch beim zweiten Mal schön, obwohl ich die
Hauptsehenswürdigkeiten ja
schon kenne.
Um 15 Uhr gehen Johannes und ich dich besuchen. Ultraschall hat es doch keinen
gegeben, es wird wohl doch
nicht so problematisch gesehen. Dr. R. kommt
vorbei, für Johannes endlich einmal ein zufrieden stellendes
Gespräch. Eine
Probe von den Drainagen wird noch mal ins Labor geschickt, um nähere
Informationen darüber
zu erhalten, woher das Sekret kommt. Dr. R. hat den
Verdacht, dass das Sekret aus der zentralen Lymphbahn
kommt. Das wäre eine gute
Nachricht.
Jetzt kommen deine Eltern an. Sie sind
ziemlich nervös, wissen nicht was sie
erwartet.
Zuerst kommt Horst mit zu dir. Er ist sichtlich
mitgenommen, kann es
nicht gut ertragen, dich
so zu sehen. Danach kommt deine Mutter. Ich
denke, ihr
macht es auch zu schaffen, kann
damit aber besser umgehen. Sie sagt, sie ist
froh, dass sie gekommen ist.
Wir treffen uns danach alle beim Italiener.
Johannes ist weiterhin sehr positiv
und glaubt,
dass du so gut wie über den Berg bist. Ich
möchte ihm gerne glauben…
Es ist ein netter
Abend. Stimmung/Atmosphäre ist wirklich
einmalig am Planufer.
15.04.2007
Heute morgen darf ich dich wieder besuchen. Du
bist überraschend wach. Du schaust mich
an und ich versuche mit dir zu reden.
Ich habe das Gefühl du nimmst mich wahr. Du scheinst aber dann
unzufrieden zu
sein. Du bewegst den ganzen Körper, versuchst, mit Händen und der Zunge den
Tubus
loszuwerden. Du hast überraschend viel Kraft, mir gelingt es kaum, deine
Hände festzuhalten. Du regst dich so
auf, dass weder der Pfleger noch ich
denken, dass das gut für dich ist. Du bekommst wieder mehr Schlafmittel.
Ich treffe mich mit deinen Eltern Unter den Linden. Wir besichtigen die Kuppel
des Reichstags, ganz schön
beeindruckend. Die Schlange war überraschend kurz.
Danach fahren wir in die Klinik. Zuerst kommt Horst wieder mit, dann sind wir
alle drei bei dir am Bett. Du bist
wieder sehr wach und regst dich auch gleich
wieder auf, als Horst und ich mit dir sprechen. Nach einer Weile so
schlimm,
dass sie dir wieder einen Bolus geben. Prof. S. kommt zur Visite, er hat
sogar Zeit für ein Gespräch
mit uns, sogar im Arztzimmer. Er meint, dass dein
klinischer Befund (sprich wie sich dein Bauch anfühlt und
anhört) immer noch
nicht zufrieden stellend ist, obwohl ja die Laborparameter ganz positiv sind.
Vielleicht
morgen noch mal CT, um zu schauen, ob Flüssigkeitsansammlungen im
Bauch sind. Er macht sich wegen der
Drainagen keine Sorgen, er glaubt, es handle sich um abgestorbenes Gewebe.
Eine gute Nachricht gibt es. Die
Histo ist gut:
nur Nekrose in den Metastasen. Es erscheint mir fast alles Ironie des
Schicksals, falls du es nicht
schaffst. Aber Du wirst es schaffen!
16.04.2007 Dein Geburtstag und unser zweiter Hochzeitstag!
Ich darf dich morgens nicht besuchen, du sollst ins CT und außerdem gibt es auch
viel an dir zu tun. Schade, aber
irgendwie kann ich es auch verstehen.
Horst und Bärbel wollen eine dreistündige Bootsfahrt machen. Das reizt
mich zwar auch,
andererseits könnte ich mal ein paar Dinge erledigen. Mittags rufe ich auf
Intensiv an und
frage, was das CT ergeben hat. Ich werde noch mal vertröstet,
soll in einer halben Stunde noch mal anrufen. Ich
werde langsam nervös und mir ist ganz schlecht. Versuche es noch mal auf
Intensiv. Die Schwester gibt mir
Auskunft: Du sollst
noch einmal in den OP! Oh nein. Während ich telefoniere, versucht Dr. F. mich
anzurufen. Er
erreicht mich dann ein paar Minuten später. Er erklärt es alles
etwas besser. Sie haben zusammen mit den
Chirurgen entschieden, den Bauch noch
einmal aufzumachen, da das Sekret, das in die Drainagen läuft, nicht
besser
aussieht. Im besten Fall wird nur gespült. Aber klar, wie immer alle
Möglichkeiten offen. Na fein. Kann
das alles nicht mal ein Ende haben? Ich weiß
nicht wie oft ich solche Tage noch ertragen kann… Ich überbringe
die Neuigkeiten
deinen Eltern, die gut gelaunt von dem Schiff steigen. Scheiße. Wir versuchen
uns alles schön
zu reden. Wir spazieren an der Spree entlang. Die Intensiv ruft
an, dass du wieder auf Station bist – und stabil.
Wir fahren ins Krankenhaus.
Dr. F. ruft auch an und erstattet kurz Bericht: Alles ganz gut gelaufen, alles
gespült
und Drainagen neu gelegt, und eine Spüldrainage eingelegt. Du siehst
ganz o.k. aus, nicht so schlecht wie nach
der letzten OP. Wir wollen mit Dr. R.
sprechen. Die Schwester/Ärztin will uns abwimmeln, er sei nicht mehr im
Haus,
dann kommt er aber doch. Blöde Kuh. Er ist wieder supernett, erklärt uns noch
mal alles. Betont erneut,
dass du sehr krank bist und nicht über den Berg. Aber
er ist vorsichtig optimistisch. Immer das gleiche…
Um sechs Uhr werden wir rausgeschmissen, du musst jetzt kalt abgewaschen werden,
da das Fieber steigt. Wir
sitzen noch draußen am Landwehrkanal. Es ist so
schönes Wetter.
17.04.2007
Heute morgen darf ich wieder nicht zu dir, du
bist aber wohl soweit stabil und dir geht’s nicht
schlechter als vor der OP. Ich
treffe mich mit deinen Eltern beim Schloss Charlottenburg. Um drei Uhr sind wir
wieder in der Klinik. Du siehst heute ganz gut aus, hast rote Bäckchen. Das
Fieber ist infolge der
Kühlungsmaßnahmen auf 37,7°C runter, Anlass zur Hoffnung?
Gestern ging deine Temperatur nämlich bis
knapp unter 40°C hoch, wahrscheinlich
durch die OP. Die Visite kommt, wir müssen noch mal vor die Tür. Da
kommt Dr. F.
noch vorbei. Es gibt aber im Wesentlichen nichts neues, er ist aber doch recht
positiv.
Die
Spülung läuft kontinuierlich 10 Stunden lang, dann 12
bis 18 Stunden Pause. Kann
mir schon vorstellen, dass das
nicht schlecht ist. Du schläfst nicht sehr tief,
ein paar Mal
versuchst du die Augen aufzumachen und du gähnst die
ganze Zeit.
Das sieht vielleicht lustig aus. Die Schwester hat
dich im Bett fast hingesetzt.
Du siehst so aus, als wenn Du
jeden Moment die Augen aufklappen und aufstehen
könntest.
Nach der Besuchszeit gehen wir eine Kleinigkeit essen. Es
fängt an zu
regnen.
18.04.2007
Heute Morgen darf ich schon wieder nicht
zu dir. Ich kann mich nicht
entscheiden, ob ich demnächst
mehr Ärger machen soll, oder ob das nicht auch
seine
Berechtigung hat, dass ich einfach im Weg bin. Aber auf
Intensiv haben sie
schon die Tendenz, die Patienten als ihr
Eigentum zu betrachten. Das finde ich
nicht in Ordnung. Ich
kann morgens mit der Oberärztin Dr. E. sprechen. Sie ist
aus
dem Urlaub wieder da. Ist sehr nett am Telefon. Jemand
muss die Pflegschaft
für dich übernehmen, solange du
beatmet bist. Das werde ich machen, das habe ich
auch mit
deinen Eltern besprochen. Das ist ein ganz seltsames Gefühl, es macht
mir Angst. Aber wahrscheinlich ist es ja
reine Routine, eben juristisch
notwendig. Ich vertreibe mir Zeit mit einem Gang zum Waschsalon. Gegen Mittag
schlendere ich durch den Prenzlauer Berg, esse eine Kleinigkeit und fahre zu dir
in die Klinik.
Du bist soweit unverändert. Die Ärzte sind ganz zufrieden mit dir. Es geht halt
in kleinen Schritten vorwärts, aber
Hauptsache nicht zurück. Das Fieber ist
heute deutlich niedriger. Abends telefoniere ich fast ununterbrochen,
habe ein
schönes Pensum abzutelefonieren. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen an dich
denken und die
Daumen drücken und Kerzen aufstellen und beten – das muss doch
helfen!
19.04.2007
Heute morgen schon wieder kein Besuch bei Dir.
Dein Zustand: unverändert, einen Tick
besser. Ich hoffe nur, dir macht es nichts
aus, dass ich nicht komme. Aber wahrscheinlich hast du gar kein
Zeitgefühl. Ich
glaube, es bringt auch nichts Ärger zu machen. Ich putze ein wenig die Wohnung,
Sandra kommt
ja schließlich morgen. Ich bin um ca. halb vier bei dir, muss aber
noch vor der Intensiv warten, da Visite ist. Du
bist richtig wach, machst die
Augen auf und drückst meine Hand. Dann regst du dich wieder ganz fürchterlich
auf, die Schwester meint, wegen mir. Vielleicht willst Du mir was sagen. Dein
Blutdruck steigt zumindest und du
atmest ganz hektisch, so dass das
Beatmungsgerät laut piepst. Es dauert lange bis du dich wieder beruhigst,
es
funktioniert nur mit mehr Schlafmittel. Du verträgst inzwischen so viel, dass es
einen Elefanten lahm legen
könnte, sie können die Dosis kaum erhöhen. Dr. R.
kommt vorbei, alles soweit o.k.. Als nächstes Prof. S., der
sagt nie viel. Dann
kommt noch Dr. F. mit Dr. B.. Vorher hatte ich schon erfahren, dass dein Bauch
bei der OP
gar nicht mehr zugenäht worden war. Dr. F. erklärt es mir dann
genauer: Man wollte den Druck vom Bauch
nehmen, so wird der Darm nicht
abgequetscht und es erleichtert die Atmung. Es wurde ein Netz eingenäht , das
auch die Granulation erleichtert. Nach und nach wird dann alles wieder
zusammengezogen. Aha. Ich kann doch
wieder weinen.
20.04.2007
Morgens wieder kein Besuch. Mittags fahre ich
zum Alexanderplatz, von dort zu den
Hackeschen Höfen. Da ist es sehr nett, viele
kleine Geschäfte. Nachmittags bin ich bei Dir, ich habe wieder die
Gelegenheit
mit einer ganzen Palette von Ärzten zu sprechen. Zeitweise stehen mir sechs
Weißkittel gegenüber.
Alles sind recht positiv. Die Werte sind o.k., alles
stabil, von dem einen auf den anderen Tag ändert sich halt
nicht so viel. Deine
Leberwerte sind über die letzten Tage gestiegen, so dass heute morgen ein
Ultraschall
gemacht wurde. Der hat aber zum Glück nichts ergeben. Die erhöhten
Werte werden jetzt auf die
Betäubungsmittel und den allgemein gereizten
Oberbauch zurückgeführt. Sie sprechen davon, dich vielleicht
Mitte nächste Woche
wieder „aufzuwecken“. Das ist doch schon mal eine gute Perspektive. Später kommt
Dr.
F. vorbei, er ist auch ganz zufrieden mit dir. Er hat heute Morgen einen
Onkologen hinzugezogen, um
herauszufinden, ob das Fieber vielleicht mit der
Chemotherapie zu tun haben könnte. Der Onkologe hat aber
Entwarnung gegeben. Ich
sage zu Dr. F., dass ich soweit noch gar nicht gedacht habe. Darauf antwortet
er, ich
wüsste gar nicht, an was man alles denkt, wenn man mit dem Patienten ins
Bett geht und wieder aufsteht. Ich
glaube wirklich, dass er ganz persönlich
involviert ist. Ich muss immer daran denken, wie du ihm das
Versprechen
abgezwungen hast, dass alles gut werden wird…
Um 17 Uhr kommt Sandra direkt vom Flughafen. Du bist wieder relativ wach. Wir
trauen uns gar nicht richtig, dich
anzusprechen, weil du dich dann wieder
aufregen könntest. Abends schafft Oktay es endlich, mich telefonisch zu
erreichen. Er war schon in der Charité und dort auf der Intensivstation nach dir
gesucht… Wir treffen uns mit ihm
am Alexanderplatz und bringen ihn auf den
neusten Stand.
21.04.2007
Ich darf dich heute morgen sogar besuchen.
Sandra korrigiert Klassenarbeiten. Schwester
B. ist wieder da, sie hat mir
schon einen Stuhl bereit gestellt und bietet mir einen Kaffee an. Echt süß.
Heute
morgen ist Krankengymnastik angesagt: Deine Extremitäten werden bewegt und
deine Lunge durch eine Art
Schüttler dazu angeregt Schleim zu produzieren. Deine
Sedierung ist drastisch zurückgefahren. Du machst oft
die Augen auf, bist aber
ruhig. Du bekommst jetzt schon die Nährlösung kontinuierlich, sie wollen
schauen, ob du
es verträgst. Ich bleibe eine knappe Stunde und fahre dann zum
Dom, dort ist um 12 Uhr Mittagsandacht.
Danach treffe ich mich mit Sandra, wir
spazieren ein bisschen „Unter den Linden“, dann zum Gendarmenmarkt
und in die
Friedrichstraße. In der Klinik angekommen, müssen wir dir erst einmal Schuhe
besorgen (!). Sie
wollen dir mal stundenweise Schuhe anziehen, damit du keinen
Spitzfuß bekommst. Deine Sachen sind ja alle
noch oben auf Station. Die
Schwester ist wie alle da oben supernett. Dein Schlafmittel ist ganz
abgeschaltet.
Der Arzt erklärt uns, dass sie dich jetzt versuchsweise mal wach
werden lassen wollen, um zu sehen, wie du
reagierst. Das „Timing“ wurde extra so
gewählt, dass wir dabei sein können und vielleicht Kontakt zu dir
bekommen
können. Echt nett, aber ein bisschen Eigeninteresse steckt sicherlich auch
dahinter. Bisher warst du
ja nicht gerade einfach, wenn du etwas wacher warst.
Du fängst an mit den Armen zu hantieren, mit den Füßen
zu treten usw. Dir passt
wieder einiges nicht. Je wacher du wirst, desto mehr versuchst du
offensichtlich, uns
etwas mitzuteilen. Du machst Zeichen mit deinen Händen,
zeigst auf deinen Bauch und zeigst mir mit den
Fingern eins, zwei und drei. Wir
wissen nicht so genau, was du jetzt genau wissen willst und ob du alles genau
wissen willst und was wir dir überhaupt erzählen sollen. Immer wenn ich deine
Hand festhalte und dich daran
hindere, an deinem Pflaster zu zuppeln, schüttelst
du meine Hand ärgerlich ab, einmal kassiere ich sogar eine
richtige Backpfeife.
Sandra und ich müssen über dich lachen, das findest du bestimmt gar nicht gut…
Die
Schwester fragt dich, ob du etwas aufschreiben willst und bringt Stift,
Papier und Klemmbrett. Du versuchst
tatsächlich etwas aufzuschreiben, aber die
Feinmotorik funktioniert noch nicht so ganz. Kein Wunder. Du willst
aber immer
wieder probieren und wirst ganz ärgerlich. Wir versuchen es mit „auf Buchstaben
zeigen“, aber auch
das funktioniert nicht richtig. Am Ende komplimentierst Du
uns nach draußen, indem du auf die Tür zeigst und
dann noch winkst. Ziemlich
eindeutig. Wir gehen. Auf dem Heimweg gehen wir noch einmal alle Situationen
durch und müssen lachen, als wir daran denken, wie du schon fast aus dem Bett
aussteigen wolltest und dich
alleine gedreht hast.
22.04.2007
Heute
morgen ist „Besuchszeit“. Du bist
wieder sediert, aber trotzdem relativ
wach, du machst ab und zu die
Augen auf. Ich habe dir heute ein
Foto von den Kindern mitgebracht.
Du reagierst ziemlich eindeutig
darauf, schaust dauernd in die
Richtung. Als ich dir was erzähle,
regst du dich aber ziemlich auf.
Nachmittags kommt Sandra mit. Du
schläfst, obwohl du nicht mehr
Schlafmittel bekommst als heute
morgen. Uns wird fast ein bisschen
langweilig, so im Vergleich zu gestern. Später versuchst du wieder ähnliche Gesten und Zeichen wie am Tag
zuvor zu machen, zeigst auf den Bauch etc.. Einmal machst Du ein Zeichen, dass du etwas trinken möchtest.
Als
Sandra dann fragt:“ Du willst etwas trinken?“, machst du den Daumen hoch. Leider können wir deinen
Wunsch ja
nicht nachkommen.
23.04.2007
Morgens rufe ich wieder bei dir in der Klinik
an. Die Schwester erzählt mir, dass heute
vielleicht die Extubation geplant ist,
sonst gehe es dir auch gut. Na, das sind ja ausnahmsweise mal gute
Nachrichten.
Ich hätte sogar fast die Möglichkeit, dich gegen Mittag zu sehen. Ausgerechnet
heute wollen
Sandra und ich eine 3h-Bootsfahrt durch Spree und Landwehrkanal
machen. Kriege sofort ein schlechtes
Gewissen. Um 10.45 Uhr geht’s los. Berlin
überrascht einmal mehr.
Danach geht es in die Klinik, wir sind ganz aufgeregt.
Wirst Du jetzt schon extubiert und wach sein? Tatsächlich,
du liegst mit
Sauerstoffmaske im Bett, bald wird diese sogar durch eine Sauerstoffbrille
ersetzt. Du bist sehr
unruhig, veränderst dauernd deine Position, willst mal auf
der Seite, mal auf dem Rücken liegen. So richtig
etwas recht machen kann man
aber nicht. Sobald wir da sind, hältst du uns ziemlich auf Trab. Erst sollen wir
deine Beine massieren, dann Zellstoff besorgen, dann Tupfer, dann Kissen richtig
positionieren usw.. Auch die
Schwester ermahnt dich, du sollst dich
zwischendurch auch mal ausruhen. Wenn man versucht dich zu
beruhigen, wirst du
oft auch unwirsch und machst „blablabla“-Zeichen, und winkst ab. Wir müssen
zwischendurch
echt lachen, zwischendurch bist du aber auch zugänglich. Du willst
viel wissen, z.B. wo du überhaupt bist. Bei dir
scheint einiges durcheinander
gekommen zu sein. An Herrn Dr. F. scheinst du dich zu erinnern, du willst seine
Hand drücken und fragst per Handzeichen wie die OP war. Dr. F. antwortet mit
„jetzt Daumen nach oben“.
Daraufhin bist du sichtlich beruhigt.
Die andere Neuigkeit heute ist der Vac-Verband, der dir heute morgen angelegt
wurde. Das sieht ganz schön
krass aus, man sieht wirklich, wie dein Bauch
auseinanderklafft. Ich weiß echt nicht, was du dazu sagen wirst. Du
weißt ja gar
nicht, was alles passiert ist. Das war ja wahrscheinlich das, wovor du die ganze
Zeit Angst hattest
und jetzt ist es eingetreten, die ganze Palette. Du machst
dir offensichtlich Sorgen um deine Beine, sie tun dir
weh. Du sprichst mit der
Schwester über Thrombose, Lymphdrainage und Franzbranntwein. In einigen Punkten
scheinst du wirklich schon fit zu sein. Gegen fünf Uhr schmeißt du uns raus.
Nachdem wir einige Male nicht
verstanden haben, was du meinst, zeigst du zur Tür
und sagst „Tschüß“.
24.04.2007
Wie immer, morgens Anruf im Krankenhaus: dir
geht es soweit ganz gut, noch etwas verwirrt
manchmal. Ich darf gegen elf Uhr
kommen. Als ich ins Zimmer komme, sitzt du auf einem Stuhl, ich bin platt. Du
siehst allerdings ein bisschen aus wie ein Häufchen Elend, scheint sehr
anstrengend zu sein für dich. Im Bett bist
du dann aber auch nicht richtig
glücklich. Du willst dich andauernd drehen usw.. Dann hast du enormen
Harndrang, und
tatsächlich, der Katheter funktioniert nicht mehr. Du kannst schon wieder
„normal“ Wasser
lassen. Du willst wissen, was ich gestern abend gemacht
habe. Irgendwann wird es dir dann immer zu viel, dann
legst du den Finger auf
deinen Mund, und ich darf nichts mehr sagen.
Ich frage dich, ob du weißt, wie viel Zeit vergangen ist. Du tippst auf vier
Wochen! Da kann ich dich ein bisschen
beruhigen, wenn auch nicht viel… Nach 1,5
Stunden gehe ich wieder, du willst genau wissen, wann ich wieder
komme.
Ich bummele ein wenig durch Kreuzberg, auf dem Wochenmarkt komme ich mir wie im
Ausland vor. Um 15 Uhr
bin ich wieder bei dir. In der Zwischenzeit wurde dir
doch ein neuer suprapubischer Katheter gelegt, darauf
machst du mich gleich
aufmerksam. Du bist immer noch recht unruhig. Willst oft die Liegeposition
wechseln. Ich
habe den Eindruck, du bist ungeduldig, dir geht der Fortschritt
nicht schnell genug. Wenn du wüsstest, wo du
herkommst! Ich spreche kurz mit
den Ärzten, sie sind eigentlich sehr zufrieden mit dir, die Atmung klappt
objektiv
gesehen gut, subjektiv klagst du allerdings über Luftnot. Später klagst
du so stark über Atemnot, dass du ein
Beruhigungsmedikament bekommst. Du
schläfst fast sofort ein und der Atem fließt wieder. Ich sitze jetzt so
neben
deinem Bett und um sechs Uhr verabschiede ich mich.
25.04.2007
Um elf Uhr darf ich wieder zu dir. Du wirst
erst frisch gemacht, dabei kann ich helfen. Dann
sollst du auf den Stuhl. Du
willst schnell wieder ins Bett, die Schwester zögert es aber auf eine halbe
Stunde
hinaus. Du bist deutlich klarer im Kopf als gestern. Ich darf sogar
zwischendurch mal was erzählen. Kurz
nachdem du wieder im Bett liegst, kommt
eine Ärztin und macht eine Dopplersonografie. Sie entdeckt zwei
kleine
Thrombosen in deinen Waden, du sollst mehr Antikoagulation bekommen. Scheint
aber nicht so
besorgniserregend zu sein.
Um
13 Uhr verabschiede ich mich für zwei Stündchen.
Auf dem Flur treffe ich Dr. R.,
der mir extra winkt und
sagt, ich solle kurz warten. Sehr nett. Er erklärt mir,
wie
das mit dem offenen Bauch vonstatten geht und dass
man das wahrscheinlich am
Ende wieder
zusammennähen wird. Model könntest du
wahrscheinlich nicht mehr
werden… Er stellt vorsichtig in
Aussicht, dass du nächste Woche vielleicht auf
Normalstation verlegt werden könntest. Draußen ist
herrliches Wetter, ich setze
mich an den Kanal,
telefoniere mit Oktay und schreibe ins Tagebuch. Es ist
schön,
mal wieder positive Nachrichten zu hören und
auch weitergeben zu können. Um kurz
nach drei Uhr bin ich wieder bei dir. Du schläfst, das ist gut für dich. In der
Nacht konntest du wohl kaum schlafen. Du willst noch mal an der Bettkante
sitzen, die Schwester überredet dich,
dass es wenn du hochkommst dann gleich in den Sessel
geht. Heute schon das dritte Mal, tolle Leistung. Du
selbst siehst das natürlich
nicht so ganz. Ich habe das Gefühl, du leidest sehr darunter, dass du dir
selbst nicht
helfen kannst.
Um sechs verabschiede ich mich und mache mich auf den Heimweg. Abends
telefoniere ich mit Heidelberg. Mit
den Kindern spreche ich auch. Linus fragt
das erste Mal seit langem, wo ich bin und ob ich „mal wiederbamme“.
„Und der
Papa?“ kommt als nächstes. Scheint für ihn aber alles o.k. zu sein, was ich
antworten kann.
26.04.2007
Heute morgen wieder 11 Uhr Ortstermin. Scheint
sich irgendwie einzubürgen. Du sitzt
wieder im Stuhl, als ich komme und teilst
mir mit einem gewissen Stolz mit, dass es jetzt schon 40 min. sind.
Dann willst
du aber wieder ins Bett. Später wird der Verband der linken Drainage und der
deiner Hand erneuert.
Die Drainage wird bei der Gelegenheit ein Stück
herausgezogen. Sie soll jetzt Stück für Stück herausgezogen
werden, bis sie ganz
entfernt ist. Die Drainagenflüssigkeit auf beiden Seiten ist auch o.k. Das hört
sich doch
alles gut an. Dann kommt die Anästhesistenvisite. OÄ Dr. E., Prof. H.
und Dr. E. sind zufrieden mit dir. Du sollst
wieder was essen, ich soll dir mal
ein Eis mitbringen. Du zeigst mir einen Vogel, als ich dich danach frage. Du
willst nichts essen, das ist dir noch viel zu anstrengend. Du bist allgemein
nicht so gut drauf. Du bist sehr schlapp
und alles bereitet dir Anstrengung und
auch Schmerzen. Ich versuche dir noch mal klar zu machen, dass die
Ärzte mit dir
zufrieden sind und du wirklich große Fortschritte machst. Du entgegnest:“ Das
liegt halt daran, dass
ich wahrscheinlich kurz vor´m Abnippeln war. Von der
Warte gesehen, ist das natürlich gut.“ (o.ä.) Naja, da kann
ich nicht viel zu
sagen… Die Schwestern schreiben „antriebslos“ in ihr Protokoll.
Dann bist du müde und ich verabschiede mich für 2,5 Stunden. Um kurz nach 15 Uhr
bin ich wieder bei dir. Wir
reden ein bisschen. Wenn ich zwei Minuten was
erzählt habe, wird es dir aber schon zuviel und ich muss wieder
leise sein. So
geht es im Gespräch nur schleppend voran. Du interessierst dich aber für alles,
und ich habe den
Eindruck, dass du ganz klar im Kopf bist.
Abends telefoniere ich mit deinen Eltern, sie haben sich Gedanken gemacht
(wahrscheinlich sich den ganzen
Tag die Köpfe heiß geredet), sie wollen auf
jeden Fall kommen.
27.04.2007
Heute wieder um 11 Uhr bei dir in der Klinik.
In der Klinik angekommen, lassen sie mich erst
mal eine halbe Stunde warten, ich
nehme an, dein Verband soll noch frisch gemacht werden. Ist aber noch nicht
passiert. Du hast Bauchschmerzen, du hast vor zwei Stunden einen Joghurt
gegessen, der jetzt wohl die
Darmaktivität antreibt. Du bekommst Schmerzmittel
und döst dann die ganze Zeit. Als ich um drei wiederkomme,
schläfst du, wachst
aber nach kurzer Zeit auf. Du hast wohl um 14 Uhr ein Beruhigungsmittel
bekommen, weil du
dich wieder in Luftprobleme reingesteigert hast. Als du
aufwachst, sagst du gleich wieder, dass du schlecht Luft
bekommst. Über die
nächste Stunde steigerst du dich immer mehr in irgendwelche Angstzustände
hinein. Du
sagst, du hast vor allem Angst vor dem anstehenden Verbandswechsel,
vor den nächsten fünf Minuten, vor der
Zukunft. Du willst gerne nach Hause, aber
siehst nicht, wie du es jemals erreichen kannst. Dann steigerst du dich
dermaßen
hinein, dass du anfängst am ganzen Körper zu zittern. Die Schwester ist aber
ziemlich unbeeindruckt.
Du sagst die ganze Zeit Sachen wie „Ich kann nicht
mehr“, „Ich brauche jetzt was“ usw.. Du hörst dich an wie ein
Junkie. Die Ärzte
meinen, so was kann durchaus sein, nach so einer langen Zeit der Beatmung, sie
kennen
solche Zustände. Ich weiß nicht, ob mich das beruhigen kann. Ich finde es
jedenfalls furchtbar und mir laufen die
Tränen übers Gesicht. Zwischendurch
setzt du dich mit Hilfe der Schwester an die Bettkante. Das ist zwar
anstrengend, aber lenkt dich, so scheint es, für eine Weile ab. Als du im Bett
liegst, geht aber alles wieder von
vorne los. Irgendwann bekommst du dann doch
dein Beruhigungsmittel und du schläfst. Dr. R. kommt vorbei und
ist eigentlich
mit allem zufrieden. Es soll jetzt abgewartet werden, was aus der rechten
Drainage kommt, wenn
nicht mehr gespült wird.
28.04.2007
Als ich morgens
komme, haben sie schon eine
Psychiaterin hinzugezogen, da du
wieder
ganz schlimme Angstzustände in der
Nacht und am Morgen hattest. Jetzt
schläfst du aber, da gerade der Vac-
Verband gewechselt wurde und du dafür
Betäubungsmittel bekommen hattest. Du
schläfst und schläfst, ich
bleibe zwei
Stunden bei dir sitzen. Dann gehe ich
mal raus. Um drei Uhr komme ich
wieder. Du
bist wach, und
die
Psychiaterin war auch schon bei dir
gewesen. Sie
diagnostiziert ein
Durchgangssyndrom, wohl nichts
ungewöhnliches. Du sollst
jetzt Tavor und
Haldol bekommen und möglichst nichts anderes. Ich versuche dich
ein
bisschen abzulenken und erzähle dir dies
und das. Von den Kindern, von den
Handwerkern, mit denen sich mein
Vater herumschlägt usw.. Das
funktioniert
eigentlich ganz gut. Du interessierst dich und vergisst, daran zu
denken, dass
du eigentlich Luftnot
hast. Ich kann dich auch einigermaßen davon abhalten, alle
zwei Minuten
nach der Schwester zu klingeln und
Schmerz- oder Beruhigungsmittel
zu verlangen. Du kannst dich an die Zeit
nach der ersten OP gar nicht richtig
erinnern. Du erkennst nämlich nicht einmal den Pfleger, der dich zwei
Nachmittage betreut hat. Um 16.30 Uhr
klingeln plangemäß deine Eltern, die
gerade angekommen sind. Du bist
gerade mal aufgestanden und sitzt im
Sessel. Du
bist heute klappriger als sonst.
Deine Mutter kommt erst
einmal alleine herein.
Du reagierst eigentlich ganz gut, regst dich nicht zusätzlich auf.
Du bist ja
sowieso
abgelenkt, auf dem Stuhl sitzen ist anstrengend. Nach einer
Viertelstunde willst du ins Bett
zurück. Wir schaffen
es, dich auf 40 Minuten zu
ziehen. Dann ist aber nichts mehr zu machen. Deine Mutter ist
ziemlich
erschreckt
dich so zu sehen. Heute ist auch kein guter Tag dafür. Deshalb
übernehme ich weiterhin die
„Moderation“. Ich
habe sonst Angst, dass du im
„Leerlauf“ dich wieder zu sehr darauf konzentrierst, dass du
eigentlich schlecht
Luft bekommst und Schmerzen hast. Gegen Abend überreden ich und der Pfleger
dich, noch
ein paar Löffel
Essen zu dir zu nehmen. Du möchtest Kartoffelbrei,
den gibt es ausgerechnet nicht mehr. Nach
einigem Hin und
Her wird es doch ein
halber Joghurt, der dir gar nicht so schlecht schmeckt. Ich bleibe bis 19
Uhr.
Ich bin mir
ziemlich sicher, dass du dich in meiner Abwesenheit wieder total
hineinsteigern wirst, so lange
bis sie dich
wieder „abschießen“ müssen. Aber ich
kann ja nicht den ganzen Tag bei dir bleiben.
29.04.2007
Als ich um 11 Uhr komme, erzählt mir Dr. S. von einem neuen, verschlimmerten
Zustand. Du
zitterst am ganzen Leib, hast einen starren Blick und bist gar nicht
mehr ansprechbar. Ein Neurologe war schon
da, konnte aber zum Glück nichts
feststellen, eine Psychiaterin kommt noch und ein CT ist auch geplant. Dr. S.
fragt mich, ob ich trotzdem zu dir will oder wiederkommen möchte, wenn die
Untersuchungen vorbei sind. Ich will
natürlich zu dir. Das ist auch ganz gut so,
weil ich den Eindruck habe, dass du auf mich reagierst und dich etwas
beruhigst.
Über Stunden halte ich dir die Hand und rede beruhigend auf dich ein, aber eine
wesentliche
Besserung tritt trotz einer Menge Mittelchen nicht ein. Deine Eltern
kommen gegen halb fünf. Nur dein Vater
kommt mit rein. Ich habe den Eindruck,
dass er beruhigend auf dich wirkt. Als er seine Hand auf deine Schulter
legt,
wirst du deutlich ruhiger und machst auch mal die Augen zu. Länger als ein paar
Minuten schläfst du aber
nie, dann regst du dich gleich wieder auf. Die
Psychiaterin hatte morgens keine weitere Änderung deiner
Medikation empfohlen,
höchstens bei Bedarf eine Erhöhung. Dein Zustand wird weiterhin mit dem sog.
Durchgangssyndrom erklärt. Sie war wirklich alle Stunde da, um nach der
Situation zu schauen.
Nachmittags kommt noch eine weitere Komplikation hinzu. Aus der Spüldrainage
fließt auf einmal gallige
Flüssigkeit, die dort nicht hingehört. Das darf doch
alles nicht wahr sein. Das kann doch nicht alles wieder von
vorne anfangen.
Jetzt bin ich fast am Durchdrehen. Ich bin dankbar, dass deine Eltern da sind.
Dein Vater bleibt
bei dir im Zimmer, ich gehe mal raus in den Flur zu deiner
Mutter und muss erst einmal heulen. Endlich um 18.30
Uhr kommt Dr. R.. Mit
Sorgenfalten schaut er sich den Beutel an. Er will noch die Laborwerte wissen
und ob es
sonst Auffälligkeiten gibt. Er glaubt nicht an eine Leckage im
Duodenum, dafür sehe das Sekret zu sauber aus.
Er glaubt, dass es vielleicht
sein könnte, dass sich der Zysticusstumpf gelöst haben könnte und daher die
Galle
kommt. Das verstehe ich nur auf Nachfragen… Scheint mir ja irgendwie
unwahrscheinlich. Um 19.30 Uhr
verabschiede ich mich, unten spreche ich noch mit
deinen Eltern, dann gehen wir alle nach Hause. Das war sehr
viel heute.
30.04.2007
Habe superschlecht geschlafen, bin mindestens
alle Stunde aufgeschreckt und habe
schlecht geträumt. Ich fahre mit dem Auto zu
dir in die Klinik. Du hast blaues Zeug zu trinken bekommen, um zu
testen, ob der
Magen-Darm-Trakt dicht ist. Als ich hereinkomme, schaue ich sofort auf deinen
Drainagebeutel.
Ich kann aber nichts Blaues sehen. Du bist heute deutlich
ruhiger, zitterst nicht mehr die ganze Zeit. Du bist sehr
müde und schläfst
immer wieder ein. Jetzt kommt eine Ärztin mit dem Ultraschall, Dr. R. kommt auch
dazu. Das
Ergebnis ist ganz positiv, es gibt keine Stauung und auch keine
größere Flüssigkeitsansammlung. Um 13 Uhr
schläfst du wieder ein, ich
verabschiede mich und treffe mich mit deinen Eltern. Um 15.30 Uhr sind wir
wieder
bei dir. Du schläfst mindestens noch eine halbe Stunde, wir lassen dich
erst einmal in Ruhe. Als du aufwachst,
hast du ganz schön viel Durst, diese
komische Astronautennahrung scheinst du gut zu finden.
Jetzt geben sich die Ärzte wieder die Klinke in die Hand. Alle sehen die
Situation im Moment nicht kritisch,
vorsichtig optimistisch. Na ja, da wollen wir
mal hoffen! Es könnte ja auch einmal was gut gehen! Um kurz nach 6
Uhr
verabschieden wir uns, drei Besucher auf einmal sind auch ein bisschen viel für
dich.
01.05.2007
Heute soll ich wieder zwischen elf und halb zwölf kommen. Als ich ins Zimmer
komme, fällt
natürlich mein Blick fast als erstes (mein erster Blick fällt
natürlich immer auf dich) auf den Drainagebeutel – und
der ist leer. Mal eine
gute Nachricht. Du bist immer noch angespannt und zitterst immer noch, besonders
dein
rechter Arm. Du beruhigst dich etwas, als ich auf dich einrede, und
schläfst sogar zwischendurch ein. Dr. R.
kommt zur Visite, er ist sehr
zufrieden, dass die Drainage nicht mehr fördert. Ab kurz nach 13 Uhr fängst du
an,
immer energischer nach deiner Tavor zu verlangen. Dieser Wunsch wird dir
kurz vor 13.30 Uhr erfüllt. Ich mache
„Mittagspause“ am Landwehrkanal. Als ich
wiederkomme ist die Psychiaterin bei dir. Sie meint, dass das
Zittern deines
Armes und deine Sprachstörungen Nebenwirkungen des Haldols seien und verabreicht
ein
Antidot. Nach einer halben Stunde soll es angeblich wirken. Du machst einen
ganz schönen Aufstand, ich soll
die Ärztin holen usw. Als nach einer Stunde
immer noch keine Wirkung eintritt, kriegst du das Medikament noch
mal. Aber es
hilft auch nicht wirklich. Das Zittern fängt jedes Mal wieder an. Du schläfst
erst einmal. Als du
aufwachst, sollst du noch mal aufstehen und in den Stuhl.
Das klappt heute sehr gut. Während du im Stuhl sitzt,
lese ich dir E-Mails vor,
die Leute auf die Adresse deiner Homepage geschickt haben. Das interessiert dich
und
du bist ein wenig abgelenkt. Um kurz nach 18 Uhr schmeißt du mich raus. Ich
telefoniere mit den Kindern, Linus
spricht heute lange mit mir. Fragt mich wo
ich bin und ob er mit dir sprechen kann. Ich erkläre ihm, dass du
immer noch im
Krankenhaus bist und kein Telefon hast. Ich sage, es dauert ganz schön lange. Er
sagt: “Ganz
lange“. Aber es gehe ihm gut. Finia sagt wie immer nicht viel.
02.05.2007 Als ich heute morgen zu dir komme, schläfst du
wieder. Du bist insgesamt sehr müde,
wahrscheinlich von den ganzen Tavor-Tbl. Du
wachst auf und sagst zum ersten Mal, dass es dir besser geht. Die
Ärzte nehmen
dich auch positiver wahr. Du isst sogar ein paar Löffel zu Mittag. Zwischendurch
schläfst du
wieder und ich darf auch nicht zuviel erzählen. Ich habe deinen
MP3-Player mitgebracht, der interessiert dich
dann wieder. Er ist allerdings mit
deinen zittrigen Händen schwer zu bedienen. Morgens kommt eine Ärztin mit
dem
Ultraschallgerät, um zu schauen, ob sich nicht im Bauch irgendwo Flüssigkeit
ansammelt (aus der
Drainage läuft nämlich kaum etwas). Das ist aber zum Glück
nicht der Fall. Davor hatte ich nämlich echt Angst.
Ich weiß nicht so recht, ob
du das alles so richtig mitbekommst und verstehst. Ich versuche, es dir zu
erklären,
aber es scheint nicht neu für dich zu sein. Du hast immer noch nicht
gefragt, was eigentlich mit dir passiert ist.
Soweit ich weiß, weißt du das ja
gar nicht. Vielleicht bist du aber einfach noch nicht bereit dafür.
Nachmittags willst du unbedingt aufstehen, kannst es gar nicht abwarten. Du hast
mit dem Pfleger ausgemacht,
dass du mit ihm auch bis zur Tür gehst. Das ist zwar
noch recht klapprig und bei den ersten Schritten wärst du
fast hingefallen, aber
es klappt insgesamt gut. Dann bleibst du eine halbe Stunde im Sessel sitzen.
Danach
willst du aber wieder unbedingt ins Bett. Wir unterhalten uns noch über
dies und das, du interessierst dich für
alles mögliche.
03.05.2007
Du machst heute einen guten Eindruck. Die Ärzte sind weiterhin zufrieden mit
dir. Es ist die
Rede davon, dass du bald auf Normalstation kommst. Du hast
selbst den Wunsch geäußert. Die Urologen
sprechen sogar von heute oder morgen,
die Intensivmediziner sind etwas vorsichtiger. Man einigt sich auf
Montag, das
scheint auch dir lieb zu sein. Du kriegst nämlich schon ein bisschen Schiss,
wenn du daran denkst,
tatsächlich auf der normalen Station zurechtkommen zu
müssen. Nachmittags bist du erst noch ein wenig
schlapp, doch dann willst du
unbedingt aufstehen und laufen. Heute morgen bist du auch schon bis zur Tür
gelaufen. Dieses Mal schaffst du es noch ein Stück den Gang hinunter, du bist
eindeutig stolz – das kannst du
auch sein! Auf dem Stuhl hältst du es dann allerdings nur 20 Minuten aus, dann
hast du starke Schmerzen. Also
geht’s zurück ins Bett. Zwischendurch reden wir auch mal davon, an was du dich
nach der ersten OP noch
erinnerst: eigentlich nur noch daran, dass du morgens eine Narkose bekommen hast
(am Morgen der zweiten
OP). Ich sage, dass du ja noch gar nicht richtig weißt, was mit dir passiert
ist. Daraufhin willst du das wissen. Ich
erzähle dir so das Gröbste: Löcher im Duodenum, OP, Sepsis, Bauchfellentzündung.
Dann fragst du, „und dann
musste ich 2 1/2 Wochen im Koma liegen?“. Daraufhin erwähne ich die dritte und
vierte OP. Da bist du erstaunt
und sagst: „Da bin ja gerade noch mal von der Schippe gesprungen“. Dann sagst du
gar nichts mehr. Ich frage
mich, ob es richtig war dir das alles zu erzählen, aber auf Nachfragen sagst du,
es gehe dir gut und du seiest
nicht geschockt. Ich gehe wie immer um sechs Uhr. Als ich gehe bekommst du sogar
einen Fernseher ins
Zimmer gestellt, damit du dich ein bisschen ablenken kannst. Zuhause habe ich
noch einiges zu tun. Morgen
kommt Gregor in seine Wohnung zurück, da muss ich noch packen und die Wohnung
putzen. Ich kann zum Glück
zu Friedi ziehen, nach Schöneberg, die zudem noch ab Sonntag in Urlaub ist.
04.05.2007
Morgens packe ich alles zusammen und ins Auto. Dann fahre ich mit dem Auto in
die Klinik
(zur üblichen Zeit). Dein Vakuumverband ist heute Morgen noch einmal verklebt
worden, weil er Luft gezogen
hat. Du hast heute eine etwas nervige Krankenschwester, die labert dich ziemlich
voll. Um 13 Uhr gehe ich
wieder und fahre zum Prenzlauer Berg, weil ich dort in einer Buchhandlung ein
Buch bestellt hatte. Ab kurz nach
drei Uhr bin ich wieder bei dir im Krankenhaus. Am Fuß hast du eine
Venenentzündung, die schlimmer
geworden ist. Dein Fuß ist ganz angeschwollen und muss gekühlt werden. Deswegen
kannst du heute
Nachmittag gar nicht aufstehen, das ärgert dich total, du hast Angst wieder
zurückgeworfen zu werden. Sonst
aber alles o.k. Der Plan steht, dass du am Montag auf Normalstation verlegt
wirst. Nach dem Krankenhaus
vertreibe ich mir die Zeit am Landwehrkanal, esse eine Falafel und setze mich
auf die Brücke. Schöne
Stimmung in der Abendsonne, mit Saxophon und Alleinunterhalter. Gegen acht Uhr
fahre ich zu Friedis Wohnung
nach Schöneberg. Friedi ist supernett, wir unterhalten uns bis nach elf Uhr.
05.05.2007
Friedi geht morgens joggen, ich hole Brötchen und wir frühstücken zusammen. Echt
nett. Ich
habe schon das Gefühl, dass ich irgendwie Mitteilungsbedürfnis habe, ich rede
nämlich ganz schön viel. Die
Krankenschwester zickt heute ganz schön rum. Erst sagt sie, ich darf gar nicht
kommen, dann überrede ich sie
zu einer Viertelstunde. Im Endeffekt ist es eine ¾-Stunde. Ganz o.k., es nervt
halt nur. Dir geht es gut, bist
allerdings von der Schwester hochgradig genervt und fühlst dich etwas
vernachlässigt. Deine Schwester hat
heute vier Patienten zu versorgen und Frau S. (deine Zimmernachbarin), soll
nachher noch in den OP. Jetzt habe
ich, allerdings unfreiwillig drei Stunden Zeit. Ich fahre zur Mauergedenkstätte
in der Bernauerstr., sehr
interessant. Laufe danach noch in der Gegend rum. Es gibt so viele schöne Ecken
in Berlin, das ist echt toll.
Dann wieder zurück in die Klinik. Du hast heute Nachmittag eine sehr nette
Schwester, sie schlägt vor, dich in
ein frei gewordenes Einzelzimmer zu verlegen, was auch eine sehr gute Idee war.
Dort ist es heller und ruhiger,
und du hast einen Fernseher an der Decke hängen, den du jederzeit bedienen
kannst. Du stehst noch mal auf
und setzt dich in den Stuhl, das Aufstehen kannst du schon fast alleine! Dort
hältst du es 45 Minuten aus, auch
nicht schlecht. Wir sprechen ein bisschen darüber, an was du dich während und
nach dem Koma erinnern
kannst. Du hast anscheinend sehr intensive Träume und kannst dich wahrscheinlich
doch ein bisschen an den
Tag erinnern, an dem sie dich zwischendurch mal haben wach werden lassen. Um 18
Uhr verabschiede ich mich
mit einem sehr guten Gefühl und überlasse dich der Sportschau. Draußen am Kanal
erledige ich meine
Telefonate, dann treffe ich mich mit Friedi im Kino am Kurfürstendamm.
06.05.2007
Morgens wieder Frühstück mit Friedi, wir
verabschieden uns, denn Friedi fährt heute
Nachmittag nach Wiesbaden. Ich fahre ins Krankenhaus. Dir geht es ganz gut in
deinem Einzelzimmer. Du sitzt
im Stuhl, als ich komme und hältst es insgesamt 1,5 Stunden dort aus, wow! Die
Verlegung morgen scheint
klarzugehen. Um 13 Uhr gehe ich für zwei Stunden nach draußen an den Kanal. Es
ist ein richtiger Sommertag,
herrlich. Um drei Uhr bin ich wieder zurück. Wir unterhalten uns über dies und
das; das geht jetzt schon ganz
normal. Unter anderem geht es um die Zeit zwischen der ersten und zweiten OP.
Als ich erzähle, was am Tag
nach der ersten OP geschah, kannst du dich wieder daran erinnern (CT, ERCP
etc.). Du erzählst, wie du die
Nacht und den Morgen vor der zweiten OP erlebt hast. Du hast morgens ein
ziemliches Chaos in Erinnerung und
dass die Narkose, die du dann bekamst, nicht in der richtigen Reihenfolge
funktionierte. Du musstest einen
Moment noch bei vollem Bewusstsein gewesen sein, obwohl du deine ganzen Muskeln
(insbesondere die
Atmung) schon nicht mehr bewegen konntest. Ein schreckliches Gefühl. Du
erzählst, dass du damals schon mit
allem abgeschlossen hattest. Du fragst auch nach, wie ich diesen Tag erlebt
habe, wie man mir alles mitteilte
etc. Wir gehen noch mal durch, wer dich wann in der ganzen Zeit besucht hat.
Insgesamt ist es ein ruhiger
Nachmittag. Um kurz nach 18 Uhr mache ich mich auf. Vorher bereite ich wie immer
alles für dich vor: schenke
dir Wasser ein, stelle den MP3-Player auf die Musik ein, die du gerne hören
möchtest, etc. Ich bin relativ früh zu
Hause und erledige alle Telefonate.
07.05.2007
Heute wirst du auf die Normalstation verlegt, ein großer Tag. Morgens versuche
ich es erst
auf der Intensiv, aber du bist schon oben. Ein komisches Gefühl jetzt woanders
hinzugehen! Oben auf Station 61
hast du dein altes Zimmer wieder bekommen. Ich kann mich gleich dran machen,
deine Sachen wieder
einzuräumen und das Zimmer einzurichten. Du stehst relativ bald auf, kannst
nicht mehr liegen. Das klappt sehr
gut, du brauchst kaum noch Unterstützung. Du bleibst dann auch relativ lange am
Tisch sitzen. Gegen 13 Uhr
mach ich mich nochmal auf und hole den Laptop. Um kurz nach 15 Uhr bin ich
wieder da. Jetzt habe ich gerade
Dr. F. verpasst, der Visite gemacht hat. Heute ist das große Thema, ob und wann
dein Bauch zugenäht wird.
Nachdem Dr. R. vor ein paar Tagen gesagt hat, dass er ihn nicht zunähen würde,
da das Risiko bestünde, dass
der Darm verletzt wird, sieht die Situation im Moment offenbar wieder anders
aus. Er hat wohl heute morgen zu
dir gesagt, dass Zunähen doch eine Option ist. Herr Dr. F. war der Meinung, dass
er dich erst einmal auf die
Beine kommen lassen möchte und vielleicht die weitere Behandlung heimatnah
verlagern möchte. Nachdem er
aber jetzt schon einmal mit dir gesprochen hat und du den Wunsch geäußert hast,
den Bauch möglichst schnell
verschlossen zu haben, habt ihr euch darauf geeinigt, dass am Mittwoch beim
Verbandswechsel entschieden
wird, ob bald zugenäht werden kann. Jetzt kommt die Nachmittagsvisite: im
Prinzip nichts Neues. Wir probieren
den Laptop aus. Es klappt mit dem Internetzugang und wir können unsere E-Mails
checken. Du hast eine von
deinem Vater bekommen, die liest du ganz interessiert. Ich zeige dir außerdem
noch Bilder von den Kindern, die
ich gemailt bekommen habe. Du wirst zunehmen unruhiger. Du klagst über
Rückenschmerzen, in keiner Position
kannst du es aushalten. Uns fällt auf, dass du heute Mittag gar nicht deine
Tavor bekommen hast, quasi auf
Entzug bist. Du wirst immer unruhiger, sagst du kannst nicht mehr, du hältst es
nicht mehr aus etc. Es erinnert
schon wieder stark an die Zeit, in der die Angstzustände richtig schlimm waren.
Du lässt dir Schmerzmittel
geben. Ich zweifele langsam ein bisschen daran, dass die Rückenschmerzen
wirklich das Problem sind. Heute
morgen warst du schon sehr emotional. Du machst dir anscheinend Gedanken
darüber, dass du „noch mal von
der Schippe gesprungen bist“. Heute morgen hat wohl Dr. R. zu dir gesagt, dass
es ja eine sehr schwere Zeit,
auch für deine Frau gewesen sei. Das ist eigentlich kein Wunder, dass du das
alles erst mal verarbeiten musst.
Dr. B. kommt noch mal und verspricht, dass morgen wieder ein psychiatrisches
Konsil stattfindet. Dein Zustand
scheint allmählich ein bisschen besser zu werden. Ich rufe mal in Heidelberg an.
Du willst erst mit niemanden
sprechen, aber meine Eltern habe es Linus wohl versprochen, dass er mit dem Papa
sprechen kann, und da
sprichst du doch mit ihm. Gespräche mit Linus dauern ja eh nicht lange … Wie ich
nachher erfahre, strahlt Linus
dabei über das ganze Gesicht.
08.05.2007
Bevor ich zu dir ins Krankenhaus fahre, mache ich noch eine Stippvisite bei H&M
am
Potsdamer Platz. Als ich um kurz nach elf bei dir ankomme, ist gerade die
Psychiaterin bei dir, ich warte
draußen. Als ich zu dir hereinkomme, geht es dir eigentlich ganz gut. Wir
sprechen ein bisschen über das
Gespräch und die Vorschläge, die gemacht wurden. Du bekommst heute deinen
Rollator, mit dem du heute
Morgen schon mit der Physiotherapeutin bis zum Aufenthaltsraum gegangen bist.
Außerdem bekommst du eine
neue viel kleinere Vakuumpumpe, so klein, dass sie in einer Umhängetasche
transportiert werden kann. Du hast
ja sowieso viel weniger Schläuche, im Moment nur noch den von der Pumpe und vom
Katheter. Sonst bist du
eigentlich ganz gut drauf. Du bewegst dich schon fast ohne Hilfe vom Bett zum
Tisch usw. Am Nachmittag
drehen wir eine Runde mit dem Rollator, zum Aufenthaltsraum, zum Stationsende
und wieder zurück, nicht
schlecht! Du isst heute auch wieder einigermaßen, immer noch Mini-Portionen,
aber immerhin. Wir laden mal
wieder die Mails runter, dieses Mal haben deine Schwester und Johannes
geschrieben. Wir rufen bei Sandra
an. Als sie zurückruft, gehst du gleich ran, da ist sie von den Socken! Du
scheinst Gefallen am Telefonieren
gefunden zu haben, heute abend willst du mal bei Johannes anrufen. (!)
Morgen ist Verbandswechsel, da er im OP stattfindet, läuft das ganze Programm:
Aufklärung, Unterschrift,
nüchtern bleiben etc. Auf Intensiv war das alles kein großes Ding, aber da warst
du ja auch ganz anders
überwacht. Wir werden schon ein wenig nervös. Um kurz nach 18 Uhr gehe ich,
fahre noch schnell zum
Ku´damm, dann nach Hause.
09.05.2007
Als ich um elf Uhr auf die Station komme, bist
du noch nicht da, wohl noch im Aufwachraum,
wie die Schwester meint. Ich mache mir ein wenig Sorgen. Ich trinke noch einen
Kaffee in der Eingangshalle und
komme dann gegen 11:15 Uhr zurück, da bist du zum Glück schon da. Dir scheint es
auch ganz gut zu gehen, du
willst nämlich sofort aufstehen, weil du Rückenschmerzen hast. Außerdem gibt es
Mittagessen. Später kommt
Dr. R. vorbei und erstattet Bericht über den Verbandswechsel, bei dem er dabei
war. Die Wunde sähe sehr gut
aus und man könne nächste Woche den Bauch zunähen. Das ist doch mal eine gute
Nachricht! Dr. F. kommt
auch kurze Zeit später und will mit Dr. R. über den genauen Termin sprechen,
vielleicht Dienstag, ab Donnerstag
ist er nämlich im Urlaub. Nach der OP müsse man mit ca. 10 Tagen
Krankenhausaufenthalt rechnen. Ich finde,
das hört sich alles ziemlich gut an. Du bist den ganzen Nachmittag still und
schaust traurig. Dir kommen weitere
drei Wochen vor wie eine Ewigkeit, sagst du, du weißt nicht wie du das alles so
lange noch aushalten kannst. Ich
mache mir langsam wieder Sorgen; was du so von dir gibst, hört sich irgendwie
nach Depression an… Ich hoffe
bloß, morgen ist es wieder besser. Muss ja eigentlich besser werden, wenn du
merkst, dass es jeden Tag ein
bisschen besser geht. Wir drehen noch mal eine Runde mit dem Rollator, dieses
Mal auch über die
Nachbarstation, da kann man eine ganz schöne Runde drehen. Es klappt wirklich
schon gut, aber das scheint
dich irgendwie nicht aufzubauen, und alle Aufheiterungsversuche scheitern auch
kläglich. Um sieben
verabschiede ich mich, du willst bei deinen Eltern anrufen.
10.05.2007
Heute Morgen ist die Krankengymnastin bei dir,
als ich komme. Du bist heute deutlich
besser drauf, dir entlockt sogar manchmal ein Lächeln. Wir gehen wieder mal eine
Runde. Um 13.15 Uhr breche
ich auf, ich will ein Gutschein für Friedi als Dankeschön kaufen. Fahre erst zum
Gesundbrunnen, dann zur
Schönhäuser Allee. Dachte irgendwie, ich hätte eine Menge Zeit, jetzt komme ich
aber doch in Stress. Hatte dir
doch versprochen, dass ich um drei wieder da bin… Ich rufe dich an und sage
Bescheid, dass es später wird,
damit wecke ich dich auch noch auf.
Um viertel vor vier bin ich wieder da. Du liegst im Bett und döst etwas vor dich
hin. Heute hast du Lust auf ein Eis
und willst sogar den weiten Weg in die Eingangshalle antreten. Das machen wir
dann auch, und es klappt gut.
Du gehst schon viel aufrechter und sicherer mit dem Rollator. Im Zimmer bewegst
du dich ohne Hilfe sehr sicher.
Auf die Toilette gehst du jetzt auch komplett alleine. Ich bleibe bis kurz nach
sechs. Heute Abend muss ich schon
mal packen und versuchen die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Morgen ziehe ich
wieder in den Prenzlauer
Berg um.
11.05.2007
Heute Morgen bin ich ganz schön in Aktion:
Packen, Müll runterbringen, Saugen, Putzen etc.
Ich schaffe aber alles „in der Zeit“ und bin sogar schon um kurz vor elf Uhr bei
dir in der Klinik. Mit Auto mit Sack
und Pack. Vor dem Mittagessen drehen wir eine Runde übers Stockwerk. Du gehst
teilweise alleine neben dem
Rollator her, den ich jetzt schieben muss. Später unterhalten wir uns ziemlich
lange darüber, wie es mir während
der ganzen Zeit ging, ob ich meine Gefühle unterdrückt habe oder nicht, wie ich
es geschafft habe die Zeit
durchzustehen. Dabei kommen mir die Tränen. Du hast heute den Verlegungsbericht
der Intensiv als Kopie
bekommen, da steht dein ganzen Krankheitsbild noch einmal kompakt drin, da wird
einem beim Durchlesen
ganz schön schlecht! Du findest das alles auch ziemlich krass. Später schauen
wir uns Fotos an, die ich die
ganze Zeit über gemacht habe und die ein bisschen dokumentieren, was ich gemacht
habe, um mich irgendwie
ein bisschen abzulenken. Du findest anscheinend ganz interessant. Es ist schon
irgendwie krass, die Bilder
sehen aus wie ganz normale gut gelaunte Fotos vom Städtetrip, nur das
zwischendurch immer Fotos von der
Intensivstation auftauchen. Nachmittags wird noch dein Katheter entfernt. Das
ist ziemlich schmerzhaft, du bist
ganz schön fertig. Jetzt darfst du zwei Stunden lang nicht aufstehen. Wir essen
gemeinsam zu Abend, ich habe
auch ein Tablett abgekriegt. Das ist echt nett. Dann rufen wir noch in Koblenz
an und sprechen mit den Kindern,
du auch.
12.05.2007
Heute Morgen straffes Programm: Muss noch
Kopieren gehen und dir noch was zu trinken
besorgen. Da komme ich ein wenig zu spät… Wir gehen gleich eine Runde spazieren,
vor dem Mittagessen. Du
läufst heute ganz alleine, ohne Abstützen und ohne Rollator, super! Wir gehen
insgesamt drei Mal heute,
nachmittags sogar zwei Mal über Station 62 und noch einmal quer durch die
Eingangshalle! Nachmittags
telefonierst du mit deinen Eltern in Spanien. Ich verabschiede mich um 18 Uhr,
du willst Fußball gucken und ich
muss noch mal Kopieren und Essen einkaufen. Dabei natürlich noch Abstecher in
ein paar andere Geschäfte.
Es schüttet in Strömen.
13.05.2007
Ganz schönes Scheißgefühl, am Muttertag ohne seine Kinder zu sein… Ich bin
voller
Motivation und will heute Joggen gehen. Die Bedingungen sind allerdings nicht so
optimal. Bin dann um 11.30
Uhr bei dir, du hast schon gerade deine Morgenrunde gedreht, das erste Mal
alleine! Dann Mittagessen, dein
Verband zieht wieder Luft, neue Folie, ich erzähle von den Kindern etc.
Nachmittags willst du gerne mal raus aus der Klinik. Das erste Mal anziehen, du
siehst in deinen normalen
Klamotten schon fast wieder gesund aus. Wir gehen bis zu den Bänken am
Landwehrkanal, dort ergatterst du
noch einen Platz. Du bist draußen noch etwas wackelig auf den Beinen, durch den
unebenen Untergrund. Auf
der Bank ist es schön, angenehme Temperatur und viel zu gucken. Wir halten es
über eine Stunde aus, dann
geht’s wieder zurück. Das war ganz schön anstrengend für dich. Sonst passiert
nicht mehr viel. Wir drehen
gegen sechs Uhr noch mal eine Runde, bevor ich gehe. Du warst schon den ganzen
Nachmittag nicht so gut
drauf, doch jetzt wird es schlimmer. Du weinst und meinst, du kannst nicht mehr
und hast keine Lust mehr. Ich
bleibe noch ein bisschen und versuche, dich etwas aufzuheitern, allerdings ohne
Erfolg. Um 19.00 Uhr gehe ich
nach Hause, du willst noch telefonieren und dann fernsehen. Ich mache mir ein
bisschen Sorgen, als ich gehe.
14.05.2007
Ich besorge dir noch was zu trinken und fahre
dann zu dir. Die Krankengymnastin ist bei dir,
als ich komme. Sie ist schon mit dir die Treppe in den 9. Stock gelaufen! Dann
normales „Programm“:
Mittagessen, Mittagschlaf, um 14.30 Uhr Gespräch mit der Psychiaterin, über das
du aber nicht viel reden willst.
Dann Aufklärungsgespräch mit Anästhesistin („der Feger“) etc. Nachmittags noch
mal kleine Runde übers
Stockwerk, irgendwann Aufklärung der Urologen. Gegen Abend kommt noch Dr. F.
vorbei. Er erklärt genauer,
was morgen gemacht wird. Es wird ein Netz eingenäht, um den Bauch zu
stabilisieren und dann hoffentlich
zugenäht. Herr Dr. F. ist aber zuversichtlich. Er will uns hier nicht mehr
sehen, wenn er in drei Wochen aus dem
Urlaub kommt! Ja das wollen wir auch nicht! Ich fahre um 19.20 Uhr nach Hause,
kaufe noch was ein und
telefoniere.
Ab heute schreibe ich wieder:
15.05.2007
Heute soll ein großer Tag werden. Der
Vac-Verband kommt weg und der Bauch soll mit
einer Netzeinlage verschlossen werden. Bin zum Glück wieder erster Punkt im OP.
Morgens stelle ich unter dem
Vac-Verband eine komische Flüssigkeitsansammlung fest, ich mache mir keine
weiteren Gedanken, nachdem
Dr. F. auch nichts besonderes dazu sagte. Im Aufwachraum freue ich mich, dass
keine Vac-pumpe mehr zu
sehen ist, nur ein ganz normaler Verband. Als ich auf die Station zurückgebracht
werde, empfängt mich Moni mit
der freudigen Nachricht: Man konnte den Bauch nicht verschließen, da ich unter
dem Vac-Verband eine
Dünndarmfistel (deswegen heute morgen auch die Flüssigkeit unter dem Verband)
entwickelt habe. Man hat
versucht sie zu übernähen, jetzt muss man, da das ganze Gewebe sehr rigide ist,
hoffen, dass die Übernähung
hält. Auf Nachfrage, scheint man dieses Problem bei offenen Bäuchen zu kennen,
es bilden sich manchmal
spontan Fisteln. Na da habe ich ja mal wieder Glück gehabt! Ich glaube, ich habe
irgendwann und irgendwo
einmal zuviel „hier“ geschrieen. Ich nehme auch jede Komplikation mit, als wenn
es nicht schon genug gewesen
wäre. Da es sich wohl um eine längere Geschichte handeln wird, spricht Dr. F.
eine Verlegung nach Heidelberg
an.
16.05.2007
Natürlich hat die Übernähung nicht gehalten.
Morgens ist der Verband gallig
durchgeschlagen. Bin völlig begeistert. Nun soll erneut in Narkose ein
Verbandswechsel stattfinden, ein
nochmaliges Übernähen kommt wohl nicht in Frage. Im OP wird dann ein normaler
Urin-Katheter in die Fistel
eingelegt, dieser soll ein Teil der Dünndarmflüssigkeit in einen Beutel
ableiten. Die Idee ist ja gut, praktisch
funktioniert es nur bedingt.
17.05.2007
Ich bin morgens schon extrem schlecht drauf,
meine Vater ruft dann natürlich noch im
richtigen Moment an, ich kann nicht mehr an mich halten und beginne zu heulen.
Nachdem Dr. F. im Urlaub ist,
habe ich das Gefühl, dass ich auf der falschen Station liege, ich habe ja kein
urologisches Problem mehr,
sondern die Fistel ist ein allgemeinchirurgisches Problem. Mein Vater ruft dann
Prof. K. privat an. Heute ist
Feiertag. Er bittet ihn, sich um eine Verlegung nach Heidelberg zu kümmern.