Stammzellspende / Leukapharese
19.12.2006
Wir laufen wieder so gegen 9:00Uhr auf meiner Station 5 Süd auf. Bekomme mein
Zimmer
zugeteilt. Bin alleine im Zimmer. Übliche stationäre Aufnahmeprozeduren:
Labor, Untersuchung etc. Wir rechnen
eigentlich
erst damit, dass es am Folgetag losgehen soll. Plötzlich teilt uns Dr. J. mit, dass meine
Blutwerte gut sind
und es heute Nachmittag schon
losgeht. Auf der einen Seite freue ich mich, dass
alles
wie am Schnürchen läuft, andererseits bekomme ich
es natürlich wieder mit
der Angst zu tun. Irgendwann
werde ich abgerufen, und ich begebe mich
gemeinsam
mit Moni in das Ungewisse. Es empfängt
uns supernettes Personal, ich bekomme
mein Bett
zugewiesen. Moni kann natürlich da bleiben. Ich leg
mich ins Bett und
die Schwester beginnt zu erklären.
Neben dem Bett steht ein großes Gerät,
welches im
Prinzip wie ein Dialysegerät aussieht: mit vielen
Beuteln und
Schläuchen. Mir wird dann in den rechten
Handrücken eine grüne Infusionsnadel
gelegt, hier
soll das gefilterte Blut wieder in meinen Körper zurück laufen. In
die linke Ellenbeuge wird eine deutlich dickere
(orange) Infusionsnadel gelegt.
Diese wird später mein Blut aus dem Körper saugen. Danach werden alle
Schläuche
montiert, welches doch aufwendiger ist. Und dann geht es im Prinzip schon los.
Es ist ein ziemlich
komisches Gefühl, wenn sich die zuvor mit klarer Lösung
gefüllten Schläuche mit eigenem Blut füllen. Anfangs
merkt man, dass das Blut
aus dem linken Arm gesaugt wird, im Verlauf irgendwie nicht mehr. Na ja, und dann
liegt man halt da so rum, und das Gerät filtert aus dem Blut die lebenswichtigen
Stammzellen raus. Insgesamt
werden 9 Liter meines Blutes (also ca. 1,5 mal mein
gesamtes Blut) filtriert. Die durch Calciummangel
hervorgerufenen Kribbelparästhesien an Lippen und Kinn verspüre ich nicht. Vom sehr netten
Pflegepersonal
erhalten wir sogar eine gekühlte (!) Cola. Wie viele Stammzellen
gesammelt wurden, erfahre ich leider noch
nicht, da es schon ziemlich spät ist
und das Labor die Zählung erst morgen durchführt.
Haare ade! Ich
habe es schon
morgens unter der
Dusche gespürt, beim
Abtrocknen hatte ich
schon
ein
Haarbüschel in der
Hand. Im Laufe des
Tages und auch
während der Leuka-
pharese verliere
ich immer mehr
Haare. Abends
entschließen wir uns dann, kurzen Prozess zu machen. Mit dem Langhaarrasierer werden
alle
Haare abrasiert. Moni findet es ganz gut, ich muss mich erst richtig dran
gewöhnen, eine kurze Haarschicht
ist ja noch drauf. Diese wird im Verlauf immer
fleckiger, so dass ich den Rest am 24.12.2006 komplett entferne.
Auf Fotos
erschrecke ich mich noch längere Zeit und finde, dass ich ganz schön krank
aussehe, aber wie so
immer, man gewöhnt sich an alles. Und die Haarpracht ist
mein geringstes Problem.
Im weiteren
Verlauf verliere ich auch meine Brust- und Schambehaarung,
komischerweise bleibt die
Beinbehaarung erhalten.
20.12.2006
Ich habe wohl noch nicht genügend
Stammzelle gesammelt (gestern wohl 8 Mio.), soll um 11.00
Uhr noch mal runter
kommen. Eigentlich sei die Ausbeute meiner ersten Spende nicht schlecht, aber
zur
Sicherheit solle ich heute noch mal spenden. Ist eigentlich ganz in meinem
Interesse, was man hat, das hat man!
Im Prinzip läuft dann alles wie gehabt ab,
vertrage alles ganz gut, muss halt wieder ca. 3 Stunden an der
Maschine hängen.
Sehr nettes Gespräch mit der leitenden MTA dort. Moni kommt mittags zu
Besuch.
Dann kurz auf Station, Mittag gegessen. Dann muss ich schon weiter zum HNO-Konsil, da ich irgendwie das
Gefühl habe, auf dem linken Ohr schlechter zu
hören und ebenfalls ein Fremdkörpergefühl verspüre. Insgesamt
dauert dort alles
ziemlich lange, das Ergebnis ist aber erfreulich, Audiogramm o.B. Zurück
auf Station soll
ich wegen der erneuten Beschwerden gleich weiter zur
Abdomensonografie, hier gibt´s eigentlich auch nichts
neues, Metastase ist nicht kleiner geworden. Abends kommt Prof. H. noch einmal vorbei, er hält nichts
von der Bestimmung der Tumormarker unter Therapie, den Wert könne man nicht
verwerten, entscheidend sei
der Wert am 21. Tag der Chemo. Wir hatten uns schon
über den gesunkenen βHCG gefreut (βHCG: 20.463 U/l),
zu früh gefreut. Ansonsten
längeres Gespräch, man fühlt sich einfach in guten Händen, dieser Mann ist
einfach
gut!
Nach diesem
Gespräch werden mit Dr. J. die heutige Entlassung und der
Wiederaufnahmetermin
besprochen. Wir verlassen um ca. 20:00 Uhr das Krankenhaus.
Auf dem Rückweg noch obligatorischer McD
Besuch und Stau.