2. Zyklus Hochdosis-Chemotherapie
17.01.2007
Stationäre
Aufnahme Station 5 Süd Medizinische Klinik Uni Tübingen; leider kein
Einzelzimmer frei, Mitpatient aber sehr nett, nervig ist nur das klappernde
Gebiss beim Essen. Normale
stationäre Aufnahme: Labor etc., nachmittags Cardio-CT, sowie Thorax- und Abdomen-CT. Nachmittags bei
Visite wird nicht über das CT
gesprochen. Man muss es sich noch genau anschauen.
Tumormarker beta-HCG
nur noch bei 81U/l. Soll ein adäquater
Abfall sein. Da es mich irgendwie sehr
belastet und ich wohl ein
riesiges Problem damit habe, frage ich Prof. J.
auf dem
Gang nochmals, ob es im Verlauf die Möglichkeit gibt,
wieder alleine im Zimmer zu liegen. Abends nötige ich Moni, mit
mir zu McD zu fahren:
war toll!
18.01.2007 Heute soll
die Chemo wieder losgehen. ZVK
habe ich gestern doch noch nicht bekommen.
Cardio-CT ist völlig
unerwartet ohne Befund; bzgl. Abdomen und Thorax-CT gibt’s
bei
Visite noch keine Äußerung. Vormittags legt Dr. J. einen
ZVK, auf eigenen Wunsch unter Dormicum, kaum
Schmerzen, perfekt
gelegt, nicht so wie beim ersten Mal.
Moni kommt
mittags. Um ca. 13:30 Uhr geht die
Chemo los. Alles gut, keine Übelkeit. Abends mit
Moni Pizza
bestellt. Bettnachbar ist mittlerweile entlassen.
19.01.2007
Moni kommt vormittags zu Besuch, fährt nach dem Mittagessen wieder nach
Heidelberg.
Chemo geht weiter, alles im Lot. Vormittags noch zwei
Erythrozytenkonzentrate erhalten.
20.01.2007 Jetzt
geht’s los, die Übelkeit hat mich wieder zurück. Habe mir diesmal
vorgenommen,
mich konsequent bei den Schwestern zu melden, was ich auch tue. Mit Vomex-Kurzinfusionen und
erneut Tavor bei Bedarf kann man es in den Griff
bekommen. Das heißt nicht, dass die Übelkeit weggeht, aber
ich kann
schlafen und ein wenig
essen.
21.01.2007 Übelkeit
22.01.2007 Übelkeit
23.01.2007 Übelkeit
24.01.2007 Die
Übelkeit lässt langsam nach, um ca. 11.30
Uhr findet die
Stammzelltransplantation statt. Auf eigenen Wunsch
erhalte ich erneut Dormicum kurz vor der Trapla. Ich ertrage den
Geruch des Kühlmittels absolut
nicht. Und mit Dormicum ist es echt
cool. Ist ein super Medikament, man bekommt noch wie von weiter
Ferne etwas mit, kann sich aber eigentlich an nichts mehr so
richtig
erinnern. Nach der Transplantation schlafe ich noch ein wenig und
dann
geht’s mir eigentlich gut, noch leichte Übelkeit.
25.01.2007 Leukozyten
2960/µl, Hb 9,5g/dl, Thrombozyten
502.000/µl. Übelkeit ist deutlich besser, ich
fühle mich eigentlich gut
und beginne nun zu beten, dass ich kein Fieber
bekomme. Auf
Vorschlag von Prof. J. lasse ich mir die letzten CT-Bilder vom Radiologen
demonstrieren. Weiß zwar nicht
warum, aber
irgendwie fühle ich mich hinterher besser, hat zwar nichts neues
ergeben, aber
zumindest habe ich
das Gefühl, der Radiologe ist sehr kompetent.
26.01.2007
Leukozyten 740/µl, Hb 9,1g/dl, Thrombozyten 374000/µl, CRP 0,04mg/dl. Ab heute
bin ich
dann mal wieder in der Aplasie. Eigentlich geht’s mir heute ganz gut.
Jetzt darf ich halt wieder nur noch mit
Mundschutz das Zimmer verlassen, muss
auf die Nahrungsmittel aufpassen (keine Nüsse, nichts Rohes etc.)
und man kann
anfangen zu beten, dass nichts dazwischen kommt.
27.01.2007 Leukozyten
650/µl, Hb 9,6g/dl, Thrombozyten 354000/µl, CRP 0,05 mg/dl. Da ich beim
letzten
Zyklus genau an diesem Tag abends Fieber bekam, habe ich heute besonders Angst
welches zu
bekommen. Ist natürlich völlig unbegründet ,und ich bekomme natürlich
auch kein Fieber. Bis auf allgemeine
Schwäche geht’s mir eigentlich gut. Moni
kommt zu Besuch, sehr schön. Abends Pizza bestellt und Handball
geschaut. Moni
übernachtet bei Katha.
28.01.2007 Leukozyten
490/µl, Hb 8,4g/dl, Thrombozyten 276000/µl, CRP 0,16mg/dl. Moni wieder ab
11.00 Uhr zu Besuch, zusammen geweint; ebenfalls sehr schöner und intensiver Tag,
um ca 14:30 h wieder
Heimfahrt. Zwei Erythrozytenkonzentrate erhalten.
Jetzt beginnt auch wieder meine Mundschleimhaut verrückt zu
spielen. Zum Glück
dieses Mal nur im Mund und nicht in der Speiseröhre. Obwohl ich wirklich
konsequent und
intensiv mit Salbeitee gespült habe und Amphomoronal eingenommen
habe. Es tut schon ziemlich weh.
29.01.2006
Leukozyten 400/µl, Hb 10,8g/dl,
Thrombozyten 146000/µl, CRP 1,04mg/dl. Heute
steht erneut
meine Mundschleimhaut im Vordergrund, ich kann den Mund nur
noch
wenig öffnen, es gibt genau eine offene Stelle im Bereich der
ehemaligen
Weisheitszähne (am Kiefergelenk), somit ist das
Öffnen und Kauen schmerzhaft.
Aber Nahrungsaufnahme ist noch
möglich. Zum Glück.
30.01.2007
Leukozyten 440/µl, Neutrophile 0%, Hb 9,9g/dl,
Thrombozyten 105.000/µl, CRP
2,6mg/dl. Morgens eigentlich topfit,
Mittags kommt Prof. H. zum Small Talk,
eigentlich gibt’s
nichts neues, die Karten werden erst nach dem nächsten Zyklus
neu
gemischt und da wird dann entschieden, wer mich wo und wann
operiert.
Nachmittags kommen meine Eltern (waren vorher in
Metzingen), zusammen Handball
geschaut.
31.01.2007
Leukozyten 500/µl, Neutrophile 4%, Chef
gefragt, ob Entlassung am Wochenende
möglich ist. Er will kein
Risiko eingehen, da es sich bei mir um einen
„kurativen Ansatz“ handele. Thrombozyten werden wohl noch
weiter abfallen. Bin
sehr enttäuscht, da Linus am So. Geburtstag hat. Wobei dies doch eher ein
Vorwand ist: ich
will einfach nach Hause. Auch der zuvor online georderte
Dell-Laptop kann mich nicht mehr aus dem Tief holen.
Erst einmal Krise! Wie schon der Psychologe sagt, Weinen wirkt auch befreiend.
Nachmittags meinen
ehemaligen Bettnachbarn besucht, auf KMT-Station
(Knochenmarktransplantation). Stärkste
Knochenschmerzen die ganze Nacht, muss alle
2h Paracetamol einnehmen.
01.02.2007 Leukozyten
1400/µl, Neutrophile 29.3%, Hb 9,6g/dl, Thrombozyten 23.000/µl; CRP
3,15mg/dl.
Weiterhin massive Schmerzen. Sitzen und Liegen sehr schmerzhaft. Sandra kommt zu
Besuch,
abends Handball
geschaut (Dtl. ins Finale bei WM), im Laufe des Abends
werden die Schmerzen besser.
02.02.2007
Leukozyten 5700/µl, Neutrophile 52,9%, Hb 9,5g/dl, Thrombozyten 12.000/µl.
Befindlichkeit
sehr gut, keine Schmerzen. Es soll heute Abend noch einmal Blut
abgenommen werden, wenn die Thrombos
dann weiter gesunken sind, soll es eine
Transfusion geben. Katha kommt spät nachmittags zu Besuch, Pizza
bestellt. 19.00
Uhr Juchuu!, Thrombos sind auf 15.000/µl gestiegen. Wenn die weiter so steigen
und morgen
über 20.000/µl sind, darf ich heim.
03.02.07 Ich
wollte mich eigentlich nicht drauf versteifen und ganz cool bleiben, aber
irgendwie ist die
Vorfreude auf Zuhause doch zu groß, um cool zu bleiben. Kann
die Blutentnahme und die eine Stunde später
folgenden Werte kaum erwarten. Dann
kommt die Ernüchterung, mir kommen die Tränen: Thrombos wieder auf
12.000/µl
runter. Gott, bin ich uncool. Dann wird bei Visite noch festgestellt, dass ich
an den Unterschenkeln
viele kleine Petechien (Einblutungen) habe. Na toll.
Mittlerweile fange ich jedoch an Prof. J. und Dr.
J. zu lieben. Sie
besprechen den weiteren Plan: ich soll eine Transfusion von Thrombos
erhalten und
wenn dann das Blutbild eine Stunde nach Transfusion Thrombozyten
von über 30.000/µl zeigt, kann ich nach
Hause. So der Plan und er geht sogar
auf. Thrombos 48.000/µl. Um 16.30 Uhr sitze ich im Auto meiner
Schwester. Von
dem ganzen emotionalen Auf und Ab ziemlich geplättet, kommt nicht so die
richtige Freude
auf.